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Kognitive Behinderungen

oder auch Kognitive Einschränkungen

Männliche Person, frontal, schaut in die Kamera; trägt kariertes Hemd über dunkelfarbigem T‑Shirt; heller Innenraum mit unscharfem Monitor oder Poster links und Fenster rechts.

von Richard Albrecht am 17.10.2026

Kognitive Behinderungen sind Einschränkungen von Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Sprache oder Verarbeitung. Sie sind die größte und zugleich die am schlechtesten erfasste Gruppe.

Kognitive Behinderungen

Einschränkungen von Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Sprache oder Verarbeitung.
Beispiel: „Kognitive Behinderungen machen aus einem Formular mit Zeitlimit eine unüberwindbare Hürde.“

Auch: kognitive Einschränkungen, geistige Behinderungen. Der Begriff fasst sehr Verschiedenes zusammen: Lernschwierigkeiten, Legasthenie, ADHS, Demenz, Folgen eines Schlaganfalls, Angststörungen.

Abgrenzung zur kognitiven Last: Die betrifft jeden und beschreibt die Anstrengung, die eine Oberfläche verlangt. Eine kognitive Behinderung senkt den Spielraum, innerhalb dessen diese Anstrengung zu leisten ist.

Wie viele Menschen betroffen sind

Beim Statistischen Bundesamt haben 16 Prozent der schwerbehinderten Menschen eine geistige oder seelische Behinderung als schwerste Behinderung, bei weiteren 9 Prozent liegen zerebrale Störungen vor.

Diese Zahlen greifen hier besonders kurz. Legasthenie, ADHS und eine beginnende Demenz führen selten zu einem Schwerbehindertenausweis, wirken sich beim Lesen und Bedienen aber unmittelbar aus. Die tatsächlich betroffene Gruppe ist um ein Vielfaches größer als die amtliche.

Balkendiagramm mit drei Balken auf einer Skala bis 60 Prozent: körperlich 57 Prozent, geistig oder seelisch 16 Prozent, nicht ausgewiesen 19 Prozent, darunter die Aufschlüsselung der körperlichen Behinderungen von inneren Organen mit 27 Prozent bis zum Verlust einer Brust mit 2 Prozent
Geistige und seelische Behinderungen sind bei 16 Prozent die schwerste Behinderung.

Was im Web zur Barriere wird

Zeitdruck in jeder Form: ablaufende Sitzungen, Countdowns im Bestellvorgang, Karussells, die weiterspringen. Dazu alles, was Gedächtnis verlangt, also Passwörter, Bestätigungscodes und Angaben, die mehrfach einzutragen sind.

Ebenso wirksam sind Kleinigkeiten der Sprache: lange Schachtelsätze, Fachwörter ohne Erklärung, Fehlermeldungen, die das Problem nennen und nicht die Lösung, und eine Navigation, die auf jeder Seite anders aussieht.

Was die WCAG seit 2.2 verlangt

Zwei der neuen Kriterien zielen genau darauf. 3.3.8 „Accessible Authentication“ untersagt auf Stufe AA einen kognitiven Funktionstest als Teil der Anmeldung, etwa das Erinnern eines Passworts oder das Lösen eines Rätsels, sofern es keinen anderen Weg oder keine Hilfe dafür gibt. Damit sind Captchas als einziger Schritt erledigt.

Dazu kommt 3.3.7 „Redundant Entry“ auf Stufe A: Angaben, die in demselben Vorgang ein zweites Mal verlangt werden, müssen vorausgefüllt oder auswählbar sein. Aus unserer Arbeit an über 2.500 Website-Projekten ist das zugleich die Änderung, die allen nützt.

Siehe auch:

Leichte Sprache

Stark vereinfachtes Deutsch nach festem Regelwerk, geprüft von Menschen aus der Zielgruppe.

#Barrierefreiheit (Accessibility) #Benutzererfahrung (UX)

Einfache Sprache

Verständlich gebautes Standarddeutsch mit kurzen Sätzen und bekannten Wörtern.

#Barrierefreiheit (Accessibility) #Benutzererfahrung (UX)

Cognitive Load

Geistige Anstrengung, die eine Oberfläche einem Besucher in dem Moment abverlangt, in dem er eine Aufgabe erledigt.

#Benutzererfahrung (UX)

Fehlermeldung (UX)

Rückmeldung in Textform, die benennt, welche Eingabe nicht angenommen wurde und was der Nutzer nun tun kann.

#Benutzererfahrung (UX)

Prüfgruppe (Leichte Sprache)

Gruppe aus der Zielgruppe, die einen Text in Leichter Sprache vor der Veröffentlichung prüft.

#Barrierefreiheit (Accessibility)

Zeitlimits anpassbar

Die Anforderung, dass sich Zeitgrenzen abschalten, verlängern oder ausdehnen lassen.

#Barrierefreiheit (Accessibility) #Benutzererfahrung (UX)