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Cognitive Load

oder auch Kognitive Belastung

Männliche Person, frontal, schaut in die Kamera; trägt kariertes Hemd über dunkelfarbigem T‑Shirt; heller Innenraum mit unscharfem Monitor oder Poster links und Fenster rechts.

von Richard Albrecht am 24.09.2026

Cognitive Load ist die geistige Anstrengung, die eine Oberfläche einem Besucher in dem Moment abverlangt, in dem er eine Aufgabe erledigt. Der Begriff stammt aus der Lernforschung: Der Psychologe John Sweller hat mit der Cognitive Load Theory beschrieben, warum Menschen an Aufgaben scheitern, die sie im Grunde lösen können. Das Arbeitsgedächtnis hält nur wenige Dinge gleichzeitig bereit, und was darüber hinausgeht, fällt heraus.

Cognitive Load

Geistige Anstrengung, die eine Oberfläche einem Besucher in dem Moment abverlangt, in dem er eine Aufgabe erledigt.
Beispiel: „Drei Pflichtfelder, deren Format erst nach dem Absenden erklärt wird, erzeugen vermeidbaren Cognitive Load.“

Auch: kognitive Belastung oder kognitive Last. Die deutschen Formen sind in der Lernforschung üblich, im Interface-Design hat sich der englische Begriff durchgesetzt.

Abgrenzung zur Aufmerksamkeitsspanne: Cognitive Load beschreibt, wie schwer eine Aufgabe im Moment wiegt, die Aufmerksamkeitsspanne, wie lange jemand bei einer Sache bleibt. Hohe Belastung verkürzt die Spanne, gemeint sind aber zwei verschiedene Größen.

Ein Teil der Anstrengung gehört zur Aufgabe, der andere zur Gestaltung

Die Cognitive Load Theory unterscheidet mehrere Arten der Belastung, und zwei davon zählen im Projekt. Die eine steckt in der Sache: Ein Tarifrechner mit vier Stufen und Zuschlägen bleibt anspruchsvoll, daran ändert kein Layout etwas. Die andere entsteht erst durch die Darstellung, etwa durch eine Beschriftung, die den Fachbegriff aus dem Backend übernimmt.

Daraus wird die wichtigste Frage im Review: Ist diese Stelle schwer, weil das Thema schwer ist, oder weil wir sie schwer gemacht haben? Der zweite Anteil lässt sich streichen, der erste in kleinere Entscheidungen zerlegen.

Woran hohe Belastung im Test sichtbar wird

Teilnehmer sagen selten, dass etwas anstrengend war. Sie zeigen es: Der Blick wandert zwischen zwei Stellen hin und her, jemand liest denselben Satz ein zweites Mal vor, vor einem Klick steht eine lange Pause. Wir empfehlen deshalb, im Usability-Test weniger auf Meinungen zu achten und mehr auf Zögern.

Ein zweites Signal sind Notizen. Wer sich eine Kundennummer auf einen Zettel schreibt, weil sie im nächsten Schritt fehlt, arbeitet gegen die Oberfläche an.

Was die Belastung tatsächlich senkt

Den größten Hebel haben Entscheidungen, die niemand treffen wollte. Eine Voreinstellung, die für die Mehrheit passt, nimmt dem Besucher die Wahl ab, ohne sie ihm zu verbieten. Ähnlich wirkt es, wenn Angaben dort stehen, wo sie gebraucht werden: Die Versandkosten gehören an den Warenkorb, damit sich niemand eine Zahl von einer anderen Seite merken muss.

Sprache trägt den Rest. Ein Feld mit der Beschriftung „Verwendungszweck“ verlangt eine Übersetzungsleistung, „Wofür ist die Zahlung?“ verlangt keine.

Siehe auch:

Progressive Disclosure

Gestaltungsprinzip, das zuerst die häufig gebrauchten Optionen zeigt und die selteneren erst auf Abruf einblendet.

#Benutzererfahrung (UX)

Aufmerksamkeitsspanne

Zeitraum, über den sich jemand einer Sache zuwendet, bevor er abbricht oder die Aufmerksamkeit wechselt.

#Benutzererfahrung (UX)

Millers Gesetz

Das Kurzzeitgedächtnis behält etwa sieben Informationseinheiten gleichzeitig, unabhängig von deren Größe.

#Benutzererfahrung (UX)

Hick’s Gesetz

Die Zeit für eine Auswahl wächst logarithmisch mit der Zahl der gleichrangigen Optionen, die zur Wahl stehen.

#Benutzererfahrung (UX)