Zum Inhalt springen

Einfache Sprache

oder auch Plain Language

Männliche Person, frontal, schaut in die Kamera; trägt kariertes Hemd über dunkelfarbigem T‑Shirt; heller Innenraum mit unscharfem Monitor oder Poster links und Fenster rechts.

von Richard Albrecht am 16.10.2026

Einfache Sprache ist verständlich gebautes Standarddeutsch: kurze Sätze, bekannte Wörter, ein Gedanke je Satz. Sie bleibt normales Deutsch und folgt keinem festen Regelwerk.

Einfache Sprache

Verständlich gebautes Standarddeutsch mit kurzen Sätzen und bekannten Wörtern.
Beispiel: „In einfacher Sprache steht ein Gedanke je Satz und kein Fachwort ohne Erklärung.“

Auch: verständliche Sprache, im Englischen plain language. Das englische plain heißt eben und schlicht, aus lateinisch planus, der Ebene; gemeint ist Sprache ohne Hürden, nicht einfache Sprache im Sinne von anspruchslos.

Abgrenzung zur Leichten Sprache: Leichte Sprache folgt einem Regelwerk, vereinfacht stark und wird von Menschen aus der Zielgruppe geprüft. Einfache Sprache ist dagegen ein Stil, den jeder Text haben kann, auch ein Vertrag oder ein Beipackzettel.

Drei untereinander liegende Felder mit demselben Inhalt: oben ein langer Satz in Standardsprache, darunter zwei kurze Sätze in einfacher Sprache, unten drei sehr kurze Sätze in Leichter Sprache, jeweils rechts mit einem Hinweis auf das Merkmal
Einfache Sprache kürzt und ordnet, Leichte Sprache folgt einem eigenen Regelwerk.

Woran man sie erkennt

An kurzen Hauptsätzen, meist unter zwanzig Wörtern, und an Verben statt Substantivierungen. „Zur Beantragung des Zuschusses ist das Formular einzureichen“ wird zu „Schicke uns das Formular, wenn du den Zuschuss möchtest“.

Dazu gehören: aktive statt passiver Formulierungen, keine Schachtelsätze, keine Abkürzungen ohne Auflösung, Fachwörter beim ersten Vorkommen erklärt und eine Reihenfolge, die der Leser nachvollziehen kann, also zuerst die Voraussetzung und dann der Schritt.

Was dazu festgeschrieben ist

Seit Juni 2023 gibt es dafür eine internationale Norm: ISO 24495-1 „Plain language, Part 1: Governing principles and guidelines“. Sie formuliert Grundsätze aus Sicht der Lesenden, etwa dass diese finden, was sie brauchen, und verstehen, was sie finden. Für die technische Seite der Barrierefreiheit verweist die Norm ausdrücklich auf die WCAG und die EN 301 549.

In der WCAG selbst taucht die Verständlichkeit nur auf der höchsten Stufe auf: Erfolgskriterium 3.1.5 „Reading Level“ verlangt auf Stufe AAA, dass ein Text keine höhere Lesefähigkeit voraussetzt als die der Sekundarstufe I, oder dass es eine Fassung gibt, die das nicht tut.

Warum das kein Sonderfall ist

Weil niemand einen Schachtelsatz gern liest. Von ihr profitieren über die Menschen mit Leseschwierigkeiten hinaus alle, die nebenbei lesen: am Telefon, in der Bahn oder unter Zeitdruck.

Aus unserer Arbeit an über 2.500 Website-Projekten wirkt keine Maßnahme so schnell wie das Kürzen der Sätze in Formularen und in Fehlermeldungen. Das ist zugleich die Stelle, an der schlechte Sprache am teuersten ist, weil dort Anfragen abbrechen.

Siehe auch:

Barrierefreiheit

Eigenschaft eines Angebots, von Menschen mit Behinderungen ohne fremde Hilfe genutzt werden zu können.

#Barrierefreiheit (Accessibility) #Benutzererfahrung (UX)

UX Writing

Die Arbeit an den Texten einer Oberfläche: Beschriftungen, Hinweise und Meldungen entwerfen, prüfen und überarbeiten.

#Benutzererfahrung (UX)

Fließtext

Zusammenhängender Text in Absätzen, der den Hauptteil einer Seite trägt.

#Website-Struktur

Fehlermeldung (UX)

Rückmeldung in Textform, die benennt, welche Eingabe nicht angenommen wurde und was der Nutzer nun tun kann.

#Benutzererfahrung (UX)

Prüfgruppe (Leichte Sprache)

Gruppe aus der Zielgruppe, die einen Text in Leichter Sprache vor der Veröffentlichung prüft.

#Barrierefreiheit (Accessibility)

Kognitive Behinderungen

Einschränkungen von Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Sprache oder Verarbeitung.

#Barrierefreiheit (Accessibility) #Benutzererfahrung (UX)