Ein Canonical Tag ist eine Angabe im Kopf einer HTML-Seite, die festlegt, welche URL als maßgebliche Fassung eines Inhalts gilt. Erreichbar bleiben alle Varianten, in den Suchergebnissen soll aber die angegebene erscheinen. Notiert wird es als link-Element mit dem Attribut rel gleich canonical.
- Canonical Tag
Angabe im Kopf einer HTML-Seite, die die maßgebliche URL eines Inhalts benennt.
Beispiel: „Die Druckansicht trägt ein Canonical Tag auf die normale Seite.“Auch: Canonical Link, oder nach dem Attribut verkürzt rel gleich canonical. Gemeint ist immer dieselbe Zeile im head der Seite.
Abgrenzung zur Weiterleitung: Eine 301-Weiterleitung nimmt die alte URL aus dem Verkehr, der Besucher landet auf der neuen. Ein Canonical Tag lässt beide URLs erreichbar und regelt nur, welche in den Index gehört.
Wann ein Canonical Tag gebraucht wird
Der Normalfall ist ein Inhalt, der unter mehreren Adressen erreichbar ist. Das passiert durch Parameter an der URL, etwa aus einer Sortierung oder einem Kampagnen-Tracking, durch Druck- und Mobilfassungen, durch eine Seite, die zugleich unter zwei Kategorien liegt, und durch alternative Schreibweisen eines Begriffs. In allen Fällen soll der Inhalt einmal im Index stehen und nicht viermal.
Ohne diese Angabe entscheidet die Suchmaschine selbst, welche Variante sie nimmt. Das Ergebnis ist oft die technisch erstbeste und nicht die inhaltlich beste. Wir setzen auf jeder Seite ein Canonical, auch wenn es auf die Seite selbst zeigt, weil dann keine Variante unbestimmt bleibt.
Im Kopf der Seite steht dafür eine einzige Zeile:
<head>
<!-- Die maßgebliche Fassung dieses Inhalts -->
<link rel="canonical" href="https://www.homepage-helden.de/glossar/canonical-tag/">
</head>Die Adresse gehört vollständig hinein, also mit Protokoll und Hostnamen und in genau der Schreibweise, unter der die Seite erreichbar sein soll. Eine verkürzte Angabe oder eine abweichende Variante mit oder ohne Schrägstrich am Ende zeigt auf eine Weiterleitung statt auf die Zielseite.
Das Canonical ist ein Hinweis und keine Anweisung
Google behandelt die Angabe als ein Signal unter mehreren und beschreibt das in der Dokumentation zur Zusammenführung doppelter URLs. Widerspricht das Canonical den übrigen Signalen, kann es übergangen werden. Zu diesen Signalen gehören die interne Verlinkung, die Angabe og:url für soziale Netzwerke und die Liste der URLs in der sitemap.xml.
Ein Beispiel aus unserem eigenen Glossar: Für alternative Schreibweisen führen wir 79 eigene Seiten, die auf den Hauptbegriff verweisen. Diese Seiten tragen ein Canonical auf den Hauptbegriff. Damit das Signal nicht durch Widersprüche verwässert, zeigt auf ihnen auch die og:url dorthin, und ihre URLs stehen nicht in der sitemap.xml, denn eine Sitemap soll nur kanonische URLs führen.
Wo das Canonical schiefgeht
Der mit Abstand häufigste Fall ist ein fehlendes Canonical. Dann entscheidet die Suchmaschine selbst, welche Adresse sie nimmt, mehrere Fassungen desselben Inhalts landen im Index, und die Seiten nehmen sich gegenseitig die Rankings für dasselbe Keyword weg. Dieses Phänomen heißt Keyword-Kannibalisierung und ist der eigentliche Schaden hinter dem harmlos klingenden Wort Duplicate Content.
Der zweite Fall ist heimtückischer, weil die Angabe vorhanden ist und trotzdem schadet. Manche Systeme setzen das Canonical automatisch auf die gerade aufgerufene Adresse, also auf jede erreichbare URL. Hängt an der Seite ein Parameter, etwa nach einem abgeschickten Formular oder durch einen Cache-Hash, erklärt sich diese Parameter-Adresse damit selbst zur maßgeblichen Fassung und wird als eigene Seite indexiert, obwohl sie denselben Inhalt zeigt.
<!-- /kontakt/ -->
<link rel="canonical" href="https://www.beispiel.de/kontakt/">
<!-- /kontakt/?mailformular=send&cHash=a1b2c3d4 : so nicht -->
<link rel="canonical" href="https://www.beispiel.de/kontakt/?mailformular=send&cHash=a1b2c3d4">
<!-- richtig: beide Adressen zeigen auf die parameterlose Fassung -->
<link rel="canonical" href="https://www.beispiel.de/kontakt/">Aus zwei Adressen werden so zwei Seiten im Index, und mit jeder weiteren Parameterkombination kommt eine dazu. Wir prüfen deshalb bei jedem Projekt beides: ob ein Canonical da ist und was es bei aufgerufenen Parametern ausgibt.
Seltener, aber ebenso wirksam sind zwei weitere Fehler. Das Canonical zeigt auf eine Seite, die selbst auf noindex steht, womit der Inhalt ganz aus dem Index fällt. Oder es steht als fester Wert im Template und verweist deshalb auf allen Seiten auf die Startseite.
Deshalb prüfen wir das Canonical nach jeder Änderung am Template seitenweise und nicht stichprobenartig. Ein Fehler darin wirkt auf jeder Seite gleichzeitig, und er fällt im Frontend nicht auf, weil die Seite normal aussieht.
Das Canonical Tag gehört damit zu den technischen Stellschrauben der Suchmaschinenoptimierung, die sich einmal richtig einstellen lassen und danach auf jeder Seite wirken.