Ein User Flow ist ein Diagramm, das die möglichen Wege einer Person durch eine Anwendung abbildet, samt Entscheidungspunkten und Abzweigungen. Er beginnt an einem Einstieg, etwa einer Anzeige, einem Suchtreffer oder dem direkten Aufruf der Startseite, und endet an einem Ziel oder an einem Abbruch. Er zeigt damit auch die Wege, die vom geplanten Ablauf abweichen. Genau darin liegt sein Wert: Er macht sichtbar, was passiert, wenn jemand etwas anderes tut als vorgesehen.
- User Flow
Diagramm, das die möglichen Wege durch eine Anwendung abbildet, mit allen Entscheidungspunkten und Abzweigungen.
Beispiel: „Im User Flow fehlt der Fall, dass jemand ohne Konto im Warenkorb landet.“Auch: Nutzerfluss oder Flowchart. Im Projektalltag hat sich die englische Form durchgesetzt, weil die Werkzeuge ihre Vorlagen so beschriften.
Abgrenzung zur User Journey: Die Journey beschreibt das Erleben über mehrere Kanäle und längere Zeiträume, vom ersten Kontakt bis nach dem Kauf. Der User Flow bleibt innerhalb einer Oberfläche.
Die Entscheidungspunkte sind der eigentliche Inhalt
Ein brauchbarer User Flow besteht aus mehr als einer Kette von Bildschirmen. Interessant sind die Stellen, an denen sich der Weg gabelt: Ist die Person angemeldet? Liegt die gewünschte Größe überhaupt auf Lager? Jede solche Frage erzeugt mindestens zwei Fortsetzungen, und die zweite fällt in Konzepten regelmäßig hinten runter. Wir notieren deshalb an jeder Raute beide Ausgänge, auch wenn der eine nur in eine Fehlermeldung führt.
Dazu kommen die Einstiege. Wer über eine Google-Suche auf einer Detailseite landet, hat die Kategorieseite nie gesehen und weiß nichts von den Filtern darüber. Ein Diagramm, das immer bei der Startseite beginnt, blendet diesen Besucher aus.
Wo die Grenze zum Task Flow liegt
Ein Task Flow beschreibt einen Weg für eine Aufgabe, gerade durchgezeichnet und ohne Verzweigung. Ein User Flow bildet mehrere Wege ab und entscheidet an jeder Gabel, wie es weitergeht. Sobald in einer Zeichnung Rauten oder mehrere Startpunkte auftauchen, ist es ein User Flow. Die beiden Formen ergänzen sich: Der Task Flow liefert den Hauptpfad, der User Flow hängt die Sonderfälle daran.
Wann sich das Zeichnen lohnt
Der Aufwand rechnet sich bei allem, was Zustände kennt: Anmeldung, Bezahlung, Buchung, Konfiguration, Rechteverwaltung. Für eine Firmenwebsite mit fünfzehn Seiten reicht das Sitemap-Konzept, weil es dort keine Abzweigungen zu klären gibt.
Wir zeichnen Flows für die Abschnitte, in denen etwas schiefgehen kann, und nehmen sie danach als Prüfliste für den Clickdummy: Jede Abzweigung im Diagramm braucht im Entwurf eine Ansicht. Dort fallen fehlende Zustände auf, solange sie noch wenig kosten. Den Weg aus Sicht des Kunden über alle Kontaktpunkte hinweg, auch außerhalb der Website, beschreibt dagegen die Customer Journey Map.