Jappy ist ein deutsches soziales Netzwerk aus Niederbayern, das seit dem 15. Juni 2001 online ist. In seiner besten Zeit hatte es über eine Million Mitglieder und lag bei der Verweildauer vor Facebook. Heute ist es ein Nischennetz, geführt von demselben Mann, der es gegründet hat.
- Jappy
Ein deutsches soziales Netzwerk, das 2001 als Flirtbörse startete und bis heute läuft.
Beispiel: „Wer vor 2010 in Deutschland online war, hatte oft ein Profil bei Jappy.“Auch: Jappy.de, die bekanntere der beiden Adressen. Sie leitet dauerhaft auf Jappy.com weiter. Davor hieß der Dienst Jappy.tv und zu Beginn Singletreffen.net.
Abgrenzung zu den VZ-Netzwerken und zu wer-kennt-wen: Diese deutschen Netzwerke derselben Jahre sind abgeschaltet. Jappy läuft weiter.
Gibt es Jappy noch?
Ja. Jappy ist im November 2026 erreichbar, die Anmeldung steht offen, und die Fußzeile trägt die Jahreszahl 2026. Die alte Adresse jappy.de leitet dauerhaft auf jappy.com; wer den Link von früher im Lesezeichen hat, landet also weiterhin richtig.
Betrieben wird das Netzwerk von der Jappy GmbH in Hauzenberg im Landkreis Passau. Als Geschäftsführer steht Matthias Vogl im Impressum, einer der beiden Gründer von 2001. Dass nach 25 Jahren derselbe Mensch ein soziales Netzwerk führt, ist in dieser Branche die Ausnahme.
Wie Jappy entstanden ist
Am 15. Juni 2001 starteten Matthias Vogl und Christian Wimmer die Seite Singletreffen.net, gedacht zum Flirten. 2002 wurde daraus Jappy.tv, 2005 Jappy.de. Der Name ist frei erfunden und geht auf das Pseudonym eines Mitarbeiters der Exilausgabe der Zeitschrift Simplicissimus zurück.
2006 überschritt das Netzwerk 100.000 Mitglieder, im selben Jahr wurde aus der Gesellschaft bürgerlichen Rechts eine GmbH. Im Juni 2011 kam die englische Fassung unter jappy.com dazu, die heute beide Adressen bedient. Die großen Umbauten der Oberfläche fielen in die Jahre 2011, 2013 und 2015; mit jedem verschwanden Funktionen, die es vorher gab.
Wie groß Jappy war
Die folgende Reihe stammt aus verschiedenen Quellen und misst Verschiedenes, mal angemeldete Mitglieder, mal aktive Nutzer. Die Richtung ist trotzdem eindeutig.
Zeitpunkt | Angabe | Art der Zahl |
|---|---|---|
Juni 2001 | Start als Singletreffen.net | Gründung |
2006 | über 100.000 | Mitglieder |
November 2008 | eine Million | Mitglieder |
November 2008 | 2,5 Milliarden im Monat | Seitenaufrufe |
August 2011 | Platz 2 vor Facebook | Verweildauer, comScore |
März 2013 | rund 1,5 Millionen | aktive Nutzer, Platz 16 in Deutschland |
Herbst 2015 | knapp 600.000 | Nutzer |
Oktober 2018 | rund 240.000 | registrierte Nutzer, Angabe des Betreibers |
Januar 2019 | gut 230.000 | Mitglieder |
seitdem | keine Angabe | der Betreiber nennt keine Zahlen mehr |
Als Diagramm sieht derselbe Verlauf so aus. Die Balken stehen auf einer Zeitachse und nicht in gleichen Abständen, damit die sieben Jahre zwischen 2008 und 2015 nicht verschwinden.
Bemerkenswert ist die Zeile aus dem August 2011. comScore maß damals, wie lange Besucher auf einer Seite bleiben, und Jappy lag dabei vor Facebook. Eine kleine Community kann also mehr Aufmerksamkeit binden als ein großes Netzwerk, und genau diese Kennzahl geht in der Diskussion über Reichweite meist unter.
Was Jappy heute kann
Geblieben sind das Profil mit bis zu zehn Bildern, das Gästebuch und die Gespräche mit Bildchen und Emotionen. Dazu kommen Sammelbilder zum Tauschen sowie Karten und Geschenke, die das eigene Profil ausbauen. Bezahlt wird das mit Jappy Credits, einer eigenen Währung, die sich kaufen oder sammeln lässt. Für Android und iOS gibt es den Jappy Messenger.
Verschwunden sind über die Jahre der Ticker, die Gruppen, das eigene Mailsystem und die Flirtfunktion, mit der alles angefangen hatte. Für jüngere Mitglieder gilt ein Kontaktfilter, und bis Anfang 2017 passten rund 200 ehrenamtliche Moderatoren auf; danach übernahm ein kleines bezahltes Team.
Eine Eigenheit zieht sich durch: Jappy war nie auf echte Namen aus. Erst im Februar 2010 konnten Mitglieder Vor- und Nachnamen eintragen, ab November 2012 fragt das Netzwerk nur noch nach dem Vornamen. Wer dort unterwegs ist, kennt die anderen unter ihrem Spitznamen. Facebook hat zur selben Zeit den umgekehrten Weg genommen und auf Klarnamen bestanden.
Was aus den anderen deutschen Netzwerken wurde
Jappy ist der letzte Überlebende einer Reihe, die einmal den deutschen Markt ausmachte. Alle anderen sind abgeschaltet.
Netzwerk | Start | Abschaltung |
|---|---|---|
studiVZ und meinVZ | 2005 | 31. März 2022 |
schülerVZ | 2007 | 30. April 2013 |
wer-kennt-wen | 2006 | 1. Juni 2014 |
Lokalisten | 2005 | 30. September 2016 |
Jappy | 2001 | läuft |
Drei der vier abgeschalteten Netzwerke gehörten am Ende großen Medienhäusern: wer-kennt-wen der RTL-Gruppe, Lokalisten ProSiebenSat.1, die VZ-Netzwerke nach mehreren Besitzerwechseln zuletzt einem Investor. Ein Netzwerk, das in einem Konzern eine Zahl erfüllen muss, wird abgeschaltet, sobald es die Zahl nicht mehr erfüllt.
Warum Jappy überlebt hat, als die VZ-Netzwerke abgeschaltet wurden
studiVZ, schülerVZ, wer-kennt-wen und Lokalisten sind Geschichte. Jappy nicht. Aus unserer Sicht liegt das an drei Dingen, die zusammenkommen: Das Netzwerk gehört bis heute den Gründern und muss keine Investoren bedienen, die Kosten bleiben klein, weil ein kleines Team genügt, und die Einnahmen kommen aus Werbung und Credits statt aus Wachstumsversprechen.
Dazu kommt die Bindung der Leute, die geblieben sind. Ein Netzwerk, das jemand seit zwanzig Jahren benutzt, trägt Freundschaften, Gästebucheinträge und Sammelbilder, die nirgendwo anders liegen. Facebook hat Jappy die Masse abgenommen, den Kern nicht.
Welche Datenpannen es bei Jappy gab
Im März 2010 prüfte die Stiftung Warentest zehn soziale Netzwerke und fand bei Jappy eine Lücke, über die sich fremde Konten öffnen ließen. Das Urteil lautete deutliche Mängel, im Vergleich landete Jappy auf Platz drei von zehn.
Am 5. November 2013 kamen Angreifer an die Datenbank und damit an Benutzernamen, E-Mail-Adressen, Geburtsdaten und Passwörter. Wer sein damaliges Passwort noch irgendwo anders benutzt, sollte es dort wechseln; alte Zugangsdaten aus solchen Vorfällen tauchen bis heute in Sammlungen auf, mit denen Anmeldungen durchprobiert werden.
Was Jappy für Unternehmen bringt
Als Werbekanal wenig. Firmenseiten im Sinne von Meta Ads gibt es nicht, und die Reichweite liegt um drei Größenordnungen unter der von Instagram oder Facebook. Wer eine junge, regional gebundene Zielgruppe sucht, findet sie dort eher zufällig.
Für die Suchmaschinenoptimierung gilt dasselbe. Profile bei Jappy sind keine brauchbaren Backlinks, und was auf einer Profilseite steht, erreicht niemanden außerhalb des Netzwerks. Die robots.txt von jappy.com ist zwar leer, sperrt also nichts für Suchmaschinen, doch das macht aus einem Eintrag in einem Gästebuch keine Sichtbarkeit. Der Wert des Netzwerks liegt für Unternehmen woanders: Es zeigt, wie lange eine Community trägt, wenn sie jemandem gehört, der sie pflegt.