Barrierefreiheit als Projektanforderung heißt, im Angebot und im Vertrag festzuhalten, nach welcher Norm und auf welcher Stufe eine Website barrierefrei sein soll und wie das geprüft wird.
- Barrierefreiheit als Projektanforderung
Die vertragliche Festlegung, nach welcher Norm und auf welcher Stufe ein Projekt barrierefrei sein muss.
Beispiel: „Barrierefreiheit als Projektanforderung heißt im Angebot: WCAG 2.2 Stufe AA, geprüft an den Vorlagen vor der Abnahme.“Auch: Accessibility Requirement, Barrierefreiheit im Lastenheft. Gemeint ist die prüfbare Zusage, nicht die Absichtserklärung.
Abgrenzung zur Erklärung zur Barrierefreiheit: Die Anforderung steht am Anfang und richtet sich an den Auftragnehmer. Die Erklärung steht am Ende und richtet sich an die Öffentlichkeit.
Was darin stehen muss
Vier Angaben. Die Norm samt Fassung, also etwa WCAG 2.2. Die Stufe, in aller Regel AA. Das Prüfverfahren mitsamt Stichprobe, also welche Vorlagen und welche Vorgänge geprüft werden. Und der Zeitpunkt, zu dem geprüft wird, am besten vor der Abnahme und nicht nach dem Start.
Dazu gehört die Verteilung der Rollen. Technik und Vorlagen schuldet die Agentur, Inhalte schuldet die Redaktion. Ein Alternativtext zu einem nachträglich hochgeladenen Bild kann niemand im Voraus liefern, und deshalb gehört die Pflege in dieselbe Vereinbarung.
Wen das Gesetz trifft
Für private Anbieter gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz. Nach § 3 Absatz 1 BFSG müssen angebotene Dienstleistungen barrierefrei sein, also für Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar. Erfasst sind Dienstleistungen, die nach dem 28. Juni 2025 für Verbraucher erbracht werden.
Absatz 3 nimmt Kleinstunternehmen aus, die Dienstleistungen anbieten. Als Kleinstunternehmen gilt nach § 2 Nummer 17, wer weniger als zehn Personen beschäftigt und entweder höchstens zwei Millionen Euro Jahresumsatz erzielt oder auf eine Jahresbilanzsumme von höchstens zwei Millionen Euro kommt. Für Produkte gilt diese Ausnahme nicht.
Warum der Zeitpunkt über die Kosten entscheidet
Weil Barrierefreiheit in den Vorlagen entsteht. Kontraste, Fokusdarstellung, Überschriftenfolge und Bedienelemente werden einmal festgelegt und gelten dann für jede Seite, die damit gebaut wird. Nachträglich ist dieselbe Arbeit ein Eingriff in ein fertiges Gestaltungssystem.
Aus unserer Arbeit an über 2.500 Website-Projekten kostet die Anforderung im Konzept wenig und nach dem Start ein Vielfaches. Teuer wird vor allem, was die Gestaltung betrifft, weil daran Entscheidungen hängen, die längst abgenommen sind.