Ein Accessibility-Overlay ist ein eingebundenes Skript, das Barrierefreiheit nachträglich und automatisch herstellen soll. Es legt eine Bedienleiste über die Seite, über die sich Kontrast, Schriftgröße und Abstände verstellen lassen, und verändert dabei das Dokument im Browser.
- Accessibility-Overlay
Eingebundenes Skript, das Barrierefreiheit nachträglich und automatisch herstellen soll.
Beispiel: „Das Accessibility-Overlay blendet unten rechts ein Symbol mit Einstellungen ein.“Auch: Accessibility-Widget oder Barrierefreiheits-Plugin. Das englische overlay heißt Überlagerung und beschreibt die Arbeitsweise: Die Seite bleibt, wie sie ist, und bekommt eine Schicht darüber.
Abgrenzung zu den Einstellungen des Systems: Vergrößerung, Kontrast und reduzierte Bewegung stellen Betroffene im Betriebssystem ein, und zwar einmal für alle Angebote. Ein Overlay bietet dieselben Schalter noch einmal an, nur für diese eine Website.
Was sie tatsächlich bewirken
Einen Teil dessen, was Werkzeuge auch messen können: fehlende Alternativtexte raten, Rollen ergänzen, Kontraste anheben. Das löst die Fehler nicht, es überschreibt sie, und zwar auf gut Glück. Ein geratener Alternativtext ist für den Screenreader schlechter als gar keiner, weil er falsche Sicherheit erzeugt.
Die eigentlichen Probleme bleiben: eine Reihenfolge, die keinen Sinn ergibt, Bedienelemente ohne Namen, Vorgänge, die sich mit der Tastatur nicht abschließen lassen. Daran ändert eine Schicht darüber nichts, weil die Ursache im Dokument liegt.
Warum Fachleute abraten
Weil die Overlays mit den Hilfsmitteln ins Gehege kommen. Wer mit einem Screenreader arbeitet, hat seine Einstellungen längst getroffen; ein Skript, das Rollen nachträglich ändert und eigene Tastenkürzel belegt, stört diese Arbeit, statt sie zu erleichtern.
Eine von Fachleuten und Betroffenen getragene Stellungnahme dazu ist das Overlay Fact Sheet, das die Wirkung der verbreiteten Produkte einordnet und von mehreren hundert Fachleuten mitgezeichnet wurde.
Was rechtlich davon zu halten ist
Ein Overlay macht ein Angebot nicht konform. Die Anforderungen richten sich an das Angebot selbst; ein Skript, das im Browser nachbessert, erfüllt sie nicht und schützt auch nicht vor Beanstandungen.
Aus unserer Arbeit an über 2.500 Website-Projekten ist der Grund für den Griff zum Overlay fast immer derselbe: Zeitdruck kurz vor einer Frist. Wer dieselbe Summe in die zehn größten Mängel steckt, kommt weiter, und das Ergebnis bleibt auch nach dem Kündigen des Abonnements bestehen.