Sovereign AI, auf Deutsch souveräne KI, ist der Anspruch, über die eingesetzte Künstliche Intelligenz selbst zu bestimmen: über die Daten, die Modelle, die Rechner darunter und die Regeln, nach denen beides läuft.
- Sovereign AI
Der Anspruch, über die eingesetzte KI selbst zu bestimmen, von den Daten bis zum Rechenzentrum.
Beispiel: „Für die Akten der Behörde kam allein eine Lösung nach dem Grundsatz der Sovereign AI in Frage.“Der Begriff wird für Staaten, Verwaltungen und Unternehmen gleichermaßen benutzt. Gemeint ist in allen drei Fällen dasselbe: Die Entscheidung über den Einsatz bleibt im eigenen Haus und hängt nicht am Wohlwollen eines Anbieters.
Abgrenzung zum Serverstandort: Dieser ist eine der vier Fragen und für sich genommen zu wenig. Ein deutsches Rechenzentrum, auf dem fremde Modelle unter fremden Bedingungen laufen, ist noch keine souveräne KI.
Die vier Säulen der souveränen KI
Datensouveränität: Wo liegen die Daten, wer greift darauf zu, was geschieht damit, und lässt sich das belegen. Modellsouveränität: Welche Modelle laufen, lassen sie sich prüfen, und bleibt die Wahl bestehen, wenn ein Anbieter seine Bedingungen ändert.
Infrastruktursouveränität: Auf wessen Rechnern läuft die Verarbeitung, in welchem Land stehen sie, und wessen Recht gilt dort. Rechts- und Regelhoheit: Welche Vorgaben sind einzuhalten, von der Datenschutzverordnung bis zur KI-Verordnung.
Warum Unternehmen und Behörden das Thema treiben
Zwei Gründe. Der erste ist die Abhängigkeit: Wer eine Anwendung auf ein Modell baut, das ein Anbieter abkündigen, verteuern oder in seinen Bedingungen ändern kann, hat seine Verhandlungsmacht abgegeben.
Der zweite ist die Nachweispflicht. In der Verwaltung, im Gesundheitswesen und bei Finanzdienstleistern ist belegbar zu machen, wo Daten verarbeitet werden und wer sie sieht, siehe Datenschutz bei KI-Tools.
Was von der Sovereign AI heute erreichbar ist
Mehr, als vor zwei Jahren. Offene Gewichte gibt es von mehreren Häusern, in Europa stehen Mistral und Aleph Alpha bereit, aus der Schweiz kommt mit Apertus ein offenes Modell der ETH Zürich, und ein deutsches Konsortium mit Fraunhofer und DFKI arbeitet unter dem Namen SOOFI an einem offenen Modell mit rund hundert Milliarden Parametern.
Der Hebel liegt dabei weniger an der Herkunft des Modells als am Ort der Ausführung. Ein offenes Modell auf eigener oder europäischer Hardware erfüllt die vier Fragen; dasselbe Modell über eine fremde Schnittstelle erfüllt sie nicht, siehe Open-Weight-Modelle.