Hick’s Gesetz beschreibt, wie lange eine Auswahl dauert: Die Reaktionszeit wächst logarithmisch mit der Zahl der Optionen, die gleichrangig zur Wahl stehen. William Edmund Hick hat das 1952 gemessen, Ray Hyman ein Jahr später mit anderen Reizen bestätigt. Deshalb steht in der Literatur häufig Hick-Hyman-Gesetz.
- Hick’s Gesetz
Die Zeit für eine Auswahl wächst logarithmisch mit der Zahl der gleichrangigen Optionen, die zur Wahl stehen.
Beispiel: „Auf der Startseite steht eine Hauptaktion, damit die Entscheidung keine Zeit kostet.“Auch: Hick’s Law, Hick-Hyman-Gesetz. Gemessen wurde an einfachen Reaktionsaufgaben mit festen Tastenzuordnungen. Inhaltlich schwierige Entscheidungen deckt das Gesetz nicht ab.
Abgrenzung: Hick’s Gesetz betrifft eine einzelne Auswahl. Wie anstrengend eine ganze Ansicht im Kopf ist, beschreibt Cognitive Load.
Jede Halbierung bringt denselben Zeitgewinn
Weil der Zusammenhang logarithmisch ist, zählt das Verhältnis und nicht die Differenz. Von acht gleichrangigen Optionen auf vier zu gehen, spart genauso viel Zeit wie der Schritt von vier auf zwei. Eine Navigation von sechzehn auf fünfzehn Punkte zu kürzen, ist dagegen verlorene Arbeit.
Praktisch heißt das: Eine Auswahl stark zu reduzieren oder in Gruppen zu ordnen, lohnt sich; kosmetische Kürzungen um einzelne Punkte ändern an der Entscheidungszeit nichts.
Woher der Befund kommt und was er offenlässt
Hick veröffentlichte 1952 im Quarterly Journal of Experimental Psychology die Arbeit „On the rate of gain of information“, Ray Hyman lieferte 1953 die Bestätigung. In beiden Versuchsreihen reagieren Versuchspersonen auf Lampen mit fest zugeordneten Tasten, und die Reaktionszeit wächst mit dem Logarithmus der Lampenzahl.
Eine Übersichtsarbeit von Robert Proctor und Darryl Schneider hat 2018 die Grenzen zusammengetragen: Mit Übung wird die Kurve flacher, und ihre Steigung hängt davon ab, wie gut Reiz und Taste zusammenpassen. Über den Inhalt einer Entscheidung sagt das Gesetz nichts. Zwei ähnlich gute Tarife können länger kosten als zehn klar unterschiedene.
Wann mehr Auswahl trotzdem richtig ist
Mehr Optionen auf einem Bildschirm sind richtig, wenn du damit einen Schritt einsparst. In einer Untersuchung zu Menübäumen zeigten Landauer und Nachbar 1985, dass breite und flache Strukturen schneller zum Ziel führen als schmale und tiefe: Eine zusätzliche Ebene kostet mehr Zeit als die größere Auswahl pro Ebene. Acht Punkte in einer Hauptnavigation funktionieren deshalb besser als vier Punkte mit vier Unterebenen.
Dasselbe gilt für Filter in einem Shop und für Werkzeuge, die täglich benutzt werden. Wo Besucher wissen, was sie suchen, hilft eine sichtbare Liste mehr als ein Assistent, der in drei Schritten fragt. Zu kürzen lohnt dort, wo die Optionen zum ersten Mal auftauchen und keine davon vorher bekannt ist.