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Millers Gesetz

oder auch Miller’s Law

Männliche Person, frontal, schaut in die Kamera; trägt kariertes Hemd über dunkelfarbigem T‑Shirt; heller Innenraum mit unscharfem Monitor oder Poster links und Fenster rechts.

von Richard Albrecht am 24.09.2026

Millers Gesetz geht auf den Aufsatz „The Magical Number Seven, Plus or Minus Two“ zurück, den George A. Miller 1956 in der Psychological Review veröffentlichte. Es besagt, dass das Kurzzeitgedächtnis etwa sieben Einheiten gleichzeitig behält, wobei eine Einheit eine Ziffer oder ein ganzes Wort sein kann. Im Webdesign wird daraus regelmäßig die Regel, eine Navigation dürfe höchstens sieben Punkte haben. Diese Übertragung steht so nicht in Millers Arbeit.

Millers Gesetz

Das Kurzzeitgedächtnis behält etwa sieben Informationseinheiten gleichzeitig, unabhängig von deren Größe.
Beispiel: „Den Bestätigungscode zeigen wir in zwei Blöcken zu drei Ziffern, damit er sich behalten lässt.“

Auch: Miller’s Law, oft verkürzt auf „7 plus minus 2“. Miller selbst hielt die Sieben für eine grobe Schätzung. Nelson Cowan kam 2001 in einer Neubewertung der Daten auf etwa vier Einheiten.

Häufige Fehldeutung: Die Zahl begrenzt, was Menschen im Kopf behalten. Für die Menge gleichzeitig sichtbarer Optionen gibt Millers Arbeit keine Obergrenze her.

Millers Arbeit handelt vom Behalten, nicht vom Auswählen

Miller untersuchte, wie viele Stufen eines Reizes Menschen unterscheiden können und wie viele Einheiten sie unmittelbar nach dem Hören wiedergeben. In beiden Fällen lag die Grenze bei etwa sieben. Beides setzt voraus, dass die Information aus dem Gedächtnis geholt wird.

Ein Menü erfüllt diese Voraussetzung nicht. Alle Punkte stehen sichtbar auf dem Bildschirm, Besucher erkennen sie wieder und müssen nichts behalten. Eine Hauptnavigation künstlich auf sieben Punkte zu kürzen, bringt deshalb keinen Gewinn an Bedienbarkeit. Was zählt, ist eine Ordnung, in der Besucher ihren Punkt vermuten.

Der eigentliche Befund heißt Chunking

Miller interessierte an seinen Messungen weniger die Sieben als die Beobachtung, dass die Größe einer Einheit kaum eine Rolle spielt. Sieben einzelne Buchstaben sind ebenso gut zu behalten wie sieben Wörter aus vier Buchstaben, also 28 Buchstaben. Das Bündeln zu größeren Einheiten heißt seit Miller Chunking.

Für Interfaces ist das der brauchbare Teil: Eine IBAN in Blöcken zu vier Zeichen bleibt dieselbe Zeichenkette, zerfällt aber in weniger Einheiten und lässt sich leichter abtippen.

Oben sechs einzelne Ziffern als getrennte Felder, unten dieselben Ziffern in zwei Blöcken zu drei. Rechts die Zahl der Einheiten, die das Gedächtnis jeweils halten muss.
Das Bündeln ändert nichts am Material und alles daran, wie viele Einheiten zu behalten sind.

Wo die Grenze im Interface wirklich zählt

Millers Grenze wird dort relevant, wo Besucher eine Information von einem Bildschirm zum nächsten tragen sollen. Der häufigste Fall ist ein Bestätigungscode aus einer SMS. Hier arbeitet das Kurzzeitgedächtnis, und hier entstehen die Fehler.

Wir empfehlen, solche Werte sichtbar zu halten, statt sie abzufragen: Eine Zusammenfassung zeigt die Eingaben der vorherigen Schritte, und ein Code lässt sich einfügen, ohne die Seite zu verlassen. Cowans Neubewertung von 2001 verschiebt die Rechengröße von sieben auf etwa vier. Für die Gestaltung heißt das vor allem, Gedächtnisarbeit ganz zu vermeiden.

Siehe auch:

Cognitive Load

Geistige Anstrengung, die eine Oberfläche einem Besucher in dem Moment abverlangt, in dem er eine Aufgabe erledigt.

#Benutzererfahrung (UX)

Hick’s Gesetz

Die Zeit für eine Auswahl wächst logarithmisch mit der Zahl der gleichrangigen Optionen, die zur Wahl stehen.

#Benutzererfahrung (UX)

Mega Menü

Großflächiges Aufklappmenü, das die Unterpunkte eines Bereichs mehrspaltig und auf einen Blick zeigt.

#Webdesign-Grundlagen

Progressive Disclosure

Gestaltungsprinzip, das zuerst die häufig gebrauchten Optionen zeigt und die selteneren erst auf Abruf einblendet.

#Benutzererfahrung (UX)