Ein Gebärdensprachvideo ist ein Video, in dem Inhalte in Gebärdensprache übersetzt werden. Für Menschen, die früh ertaubt sind, ist es der direkteste Zugang zu einem Text.
- Gebärdensprachvideo
Ein Video, in dem Inhalte in Gebärdensprache übersetzt werden.
Beispiel: „Das Gebärdensprachvideo auf der Startseite erklärt, was die Behörde anbietet.“Auch: DGS-Video, Gebärdensprachfilm. DGS steht für Deutsche Gebärdensprache, die seit 2002 als eigenständige Sprache anerkannt ist und eine eigene Grammatik hat.
Abgrenzung zu den Untertiteln: Die setzen voraus, dass geschriebenes Deutsch flüssig gelesen wird. Für früh ertaubte Menschen ist Deutsch eine Fremdsprache, und Untertitel sind dann eine Hilfe, aber keine Übersetzung.
Wann es verlangt ist
Für öffentliche Stellen auf der Startseite. Nach § 4 BITV 2.0 gehören dorthin Erläuterungen in Deutscher Gebärdensprache: zu den wesentlichen Inhalten, zur Navigation, zum Kern der Erklärung zur Barrierefreiheit und zu weiteren Angeboten in dieser Form.
In der WCAG steht die Gebärdensprache dagegen weit oben: Erfolgskriterium 1.2.6 verlangt auf Stufe AAA eine Gebärdensprachverdolmetschung für alle aufgezeichneten Tonspuren in zeitbasierten Medien. Für private Anbieter folgt daraus keine Pflicht, weil dort AA der Maßstab ist.
Warum es Muttersprachler braucht
Weil Gebärdensprache nicht aus Zeichen für Wörter besteht. Sie arbeitet mit Raum, Mimik und Blickrichtung, und die Grammatik unterscheidet sich vom Deutschen. Eine Übersetzung Wort für Wort ergibt keinen verständlichen Text.
Aufgenommen wird deshalb mit gehörlosen Muttersprachlern oder mit geprüften Dolmetschern, nicht mit einer Software und nicht mit einem Avatar. Letztere werden regelmäßig angeboten und von Verbänden ebenso regelmäßig abgelehnt.
Was es nicht ersetzt
Untertitel und Transkript. Die drei Formen richten sich an verschiedene Gruppen: Untertitel an Schwerhörige und an alle ohne Ton, das Transkript an Lesende und an Suchmaschinen, das Gebärdensprachvideo an Gehörlose.
Aus unserer Arbeit an über 2.500 Website-Projekten ist die Reihenfolge für Unternehmen eindeutig: zuerst Untertitel und Transkript, weil sie viele erreichen und wenig kosten. Ein Gebärdensprachvideo lohnt sich dort, wo Gehörlose zur erklärten Zielgruppe gehören.