Ein Emoji ist ein kleines Bildzeichen, das wie ein Buchstabe in einem Text steht. Es ist keine Grafik, sondern ein Zeichen mit einer Nummer im Unicode-Standard, und genau deshalb lässt es sich tippen, kopieren und durchsuchen. Welches Bild dabei erscheint, entscheidet das Gerät.
- Emoji
Ein kleines Bildzeichen, das im Unicode-Standard steht und wie ein Buchstabe im Text liegt.
Beispiel: „Ein einzelnes Emoji kann einen ganzen Satz ersetzen oder ihn umdrehen.“Auch: Mehrzahl Emojis. Das Wort kommt aus dem Japanischen, e für Bild und moji für Zeichen. Mit dem englischen emotion hat es nichts zu tun, obwohl die Ähnlichkeit genau das nahelegt.
Abgrenzung zum Emoticon: Ein Emoticon ist aus Satzzeichen gebaut, etwa
:-), und entsteht im Text. Ein Emoji ist ein eigenes Zeichen mit eigener Nummer, siehe Zeichenkodierung.
Was einzelne Emojis bedeuten
Die meisten Emojis meinen das, was sie zeigen. Interessant sind die anderen: Zeichen, die je nach Alter, Land oder Zusammenhang etwas anderes sagen als ihr offizieller Name. Die folgende Tabelle sammelt die, bei denen im Alltag regelmäßig Missverständnisse entstehen.
Emoji | Offizieller Name | Gemeint ist meistens |
|---|---|---|
🙂 | leicht lächelndes Gesicht | Freundlichkeit. Bei jüngeren Empfängern kommt es als genervt oder spöttisch an |
🙃 | auf dem Kopf stehendes Gesicht | Ironie, Galgenhumor, „auch das noch“ |
😅 | grinsendes Gesicht mit Schweißtropfen | Peinlich berührt. Oft als halbe Entschuldigung benutzt |
😭 | laut weinendes Gesicht | Trauer. Bei jüngeren Schreibern dasselbe wie Tränen vor Lachen |
💀 | Totenkopf | „Ich bin tot vor Lachen“. Wörtlich gemeint ist er selten |
🤡 | Clownsgesicht | Selbstspott über eigene Dummheit. An andere gerichtet eine Beleidigung |
👍 | Daumen hoch | Zustimmung. Als alleinige Antwort gilt er vielen als abweisend, in Teilen des Nahen Ostens als Beleidigung |
🙏 | gefaltete Hände | Bitte oder Dank. Ursprünglich ein Gebet, gelegentlich als High Five gelesen |
👌 | OK-Zeichen | In Ordnung. In Brasilien und der Türkei anstößig, außerdem von rechten Gruppen als Erkennungszeichen vereinnahmt |
✌️ | Victory-Geste | Frieden oder Sieg. Mit dem Handrücken nach vorn in Großbritannien beleidigend |
🍑 | Pfirsich | Gesäß |
🍆 | Aubergine | Penis |
💦 | Schweißtropfen | Sexuelle Anspielung, seltener Anstrengung |
🧢 | Schirmmütze | Lüge, vom englischen cap. „No cap“ heißt im Umkehrschluss: kein Scherz |
🐐 | Ziege | Die oder der Beste. Das englische goat heißt Ziege, und GOAT ist zugleich die Abkürzung für Greatest Of All Time; über diesen Gleichklang wurde das Tier zum Zeichen für den Besten |
🔥 | Feuer | Großartig. Mit Feuer hat es nichts zu tun |
💯 | hundert Punkte | Volle Zustimmung, „genau so“ |
👀 | Augen | „Schaut euch das an“ oder Neugier auf etwas Angekündigtes |
🫡 | salutierendes Gesicht | Verstanden, mache ich. Oft mit einem Rest Resignation |
🥲 | lächelndes Gesicht mit Träne | Tapfer bleiben, obwohl es gerade nicht passt |
🫠 | schmelzendes Gesicht | Überforderung oder peinliche Lage |
💅 | Nagellack | Gleichgültigkeit mit Haltung, „stört mich nicht“ |
✨ | Funkeln | Hervorhebung. Zwischen zwei Wörtern oft ironisch gemeint |
🤌 | zusammengelegte Finger | Italienische Geste für „was soll das“ oder Genuss |
Eine Regel lässt sich daraus ableiten: Je harmloser ein Zeichen aussieht, desto eher hat es eine zweite Bedeutung. Wer in geschäftlicher Post sicher gehen will, bleibt bei den Gesichtern, die zeigen, was sie meinen, und lässt Obst, Gemüse und Gesten weg.
Wie viele Emojis es gibt
Die Statistik des Unicode-Konsortiums zählt in der Fassung 18.0 genau 3.972 Emojis, einschließlich aller Varianten und Kombinationen. Die Verteilung auf die Gruppen ist dabei schief.
Gruppe | Anzahl |
|---|---|
Menschen und Körper | 2.430 |
Flaggen | 270 |
Objekte | 268 |
Symbole | 224 |
Reisen und Orte | 221 |
Gesichter und Gefühle | 172 |
Tiere und Natur | 161 |
Essen und Trinken | 132 |
Aktivitäten | 85 |
Bausteine für Hautton und Geschlecht | 9 |
Die 2.430 in der größten Gruppe sind keine 2.430 verschiedenen Figuren. Jede Person gibt es in sechs Hauttönen, viele zusätzlich in weiblicher, männlicher und neutraler Form, dazu kommen Paare und Familien in allen Kombinationen. Die Zahl der eigenständigen Motive liegt bei gut einem Viertel davon.
Woher die Emojis kommen
1999 entwarf Shigetaka Kurita für den japanischen Mobilfunkdienst i-mode von NTT DoCoMo einen Satz von 176 Zeichen, jedes auf einem Raster von zwölf mal zwölf Pixeln. Der Zweck war schlicht: Auf kleinen Displays sollten Wetter, Uhrzeit und Stimmung in ein einziges Zeichen passen. Das Museum of Modern Art in New York hat diesen ersten Satz 2016 in seine Sammlung aufgenommen.
Aus einer japanischen Besonderheit wurde ein Weltstandard, als das Unicode-Konsortium die Zeichen in den 2010er Jahren übernahm und jedes Gerät sie darstellen konnte. Seitdem entscheidet ein Gremium über jeden neuen Vorschlag, und jeder kann einen einreichen. Nicht jeder Vorschlag kommt durch: Für ein neues Emoji muss belegt werden, dass viele Menschen es benutzen würden.
Warum dasselbe Emoji überall anders aussieht
Der Text enthält nur die Nummer des Zeichens. Das Bild dazu liefert das Betriebssystem, und jeder Hersteller zeichnet eigene: Apple, Google, Samsung, Microsoft und WhatsApp haben jeweils einen eigenen Satz. Ein Zeichen, das auf dem iPhone freundlich grinst, kann auf einem anderen Gerät gequält aussehen.
Zwei Fälle sind berühmt geworden. Google zeichnete den Käse bei seinem Hamburger-Emoji jahrelang unter das Fleisch und änderte das 2017 nach öffentlichem Spott. Apple ersetzte 2016 die Pistole durch eine grüne Wasserpistole, alle anderen zogen nach. Für die eigene Kommunikation heißt das: Verlass dich auf das Zeichen, nicht auf das Bild, das du gerade siehst.
Was ein Emoji im Geschäftsverkehr auslösen kann
Ein Gericht in der kanadischen Provinz Saskatchewan entschied am 8. Juni 2023, dass ein Daumen hoch per Kurznachricht einen Kaufvertrag annimmt. Ein Händler hatte ein Foto des unterschriebenen Vertrags geschickt und um Bestätigung gebeten, der Landwirt antwortete mit dem Zeichen und lieferte nicht. Das Gericht sprach rund 82.000 kanadische Dollar Schadenersatz zu, das Berufungsgericht bestätigte das Urteil 2024.
Das Gericht hat ausdrücklich nicht entschieden, dass ein Daumen hoch immer eine Annahme ist. Es kam darauf an, dass die beiden schon vorher Verträge mit kurzen Antworten wie ok oder yup geschlossen hatten. Für die Praxis bleibt trotzdem: Ein Emoji ist eine Willensäußerung wie jede andere, und in einer Nachricht über Preise, Termine oder Mengen sollte an seiner Stelle ein Satz stehen.
Wie Emojis barrierefrei bleiben
Ein Screenreader liest den vollen Namen jedes Zeichens vor. Aus drei Feuern am Satzende wird „Feuer Feuer Feuer“, aus einer Reihe von Herzen eine lange Aufzählung. Das ist kein Grund, auf Emojis zu verzichten, wohl aber einer, sie zu dosieren.
Drei Regeln genügen, siehe auch Barrierefreiheit: Emojis gehören ans Ende eines Satzes und nicht mitten hinein, sie ersetzen keine Aufzählungszeichen und kein Wort, das gebraucht wird, und ein einzelnes wirkt stärker als fünf. In Formularen, Fehlermeldungen und Schaltflächen haben sie nichts zu suchen.
Wo Emojis im Marketing etwas bringen
In Betreffzeilen und Push-Nachrichten fallen sie auf, weil sie zwischen Text Farbe setzen. Belastbare Zahlen dazu gibt es kaum: Die Studien, die Öffnungsraten vergleichen, stammen von Anbietern von Versandwerkzeugen und messen jeweils ihre eigene Kundschaft. Wer es wissen will, testet es mit der eigenen Liste.
Zwei Dinge sind dagegen klar. Ein Emoji im Betreff, das nicht zum Inhalt passt, wirkt wie Werbung und landet schneller im Papierkorb. Und in Beiträgen sozialer Netzwerke tragen Emojis eher zur Interaktion bei als in E-Mails an Geschäftskunden, weil dort der Ton ohnehin ein anderer ist.