Das At-Zeichen (@) trennt in jeder E-Mail-Adresse das Postfach vom Rechner dahinter. Diese Aufgabe hat ihm Ray Tomlinson 1971 gegeben. Davor war es jahrhundertelang ein Zeichen der Kaufleute, heute steht es außerdem vor jedem Benutzernamen, den ein Beitrag in einem sozialen Netzwerk ansprechen soll.
- At-Zeichen (@)
Das Sonderzeichen @, das in einer E-Mail-Adresse das Postfach von der Domain trennt.
Beispiel: „Zwischen Postfach und Domain steht das At-Zeichen.“Auch: Klammeraffe, Affenschwanz, Affenschaukel. Die DIN 5008 führt es als Adresszeichen, der Unicode-Standard als commercial at, englisch für kaufmännisches at.
Abgrenzung zum Doppelkreuz (#): Das At-Zeichen spricht eine Person an, das Doppelkreuz als Hashtag ein Thema. In sozialen Netzwerken stehen beide oft im selben Beitrag und machen zwei verschiedene Dinge.
Wofür das At-Zeichen in einer E-Mail-Adresse steht
Eine E-Mail-Adresse besteht aus zwei Teilen, und das At-Zeichen ist die Grenze dazwischen. Links steht der lokale Teil, also der Name des Postfachs, den der Betreiber des Mailservers vergibt. Rechts steht die Domain, über die das DNS den zuständigen Mail Server findet, eingetragen im MX Record.
Die Abbildung zerlegt eine Adresse in ihre beiden Teile.
Die Längen sind begrenzt: Der lokale Teil darf 64 Zeichen haben, die ganze Adresse 254. Rechts vom At-Zeichen spielt Groß- und Kleinschreibung keine Rolle, weil Domainnamen gleichwertig sind; links davon dürfte sie theoretisch zählen, in der Praxis behandeln die Betreiber auch das Postfach einheitlich.
Woher das At-Zeichen kommt
Gesichert ist die Herkunft des At-Zeichens nicht. Im Umlauf sind vier Herleitungen. Die bekannteste sieht darin eine Ligatur aus a und d, also das lateinische ad für bei, geschrieben von Mönchen, die beim Abschreiben Platz sparten. Die zweite führt es auf die arroba zurück, ein altes Gewichtsmaß der iberischen Halbinsel aus dem arabischen ar-rub für ein Viertel. Die dritte sieht das französische à für Stückpreise, die vierte eine Abkürzung für anno in einem Danziger Register aus den 1660er Jahren.
Als erster Beleg im Handel gilt ein Brief des florentinischen Kaufmanns Francesco Lapi vom 4. Mai 1536, in dem das Zeichen für eine Amphore Wein steht. Gefunden hat ihn der Wissenschaftshistoriker Giorgio Stabile im Jahr 2000. Ältere Funde werden diskutiert, darunter eine bulgarische Handschrift von 1345, in der das Zeichen als Anfangsbuchstabe von amin steht. Ob das dasselbe Zeichen ist oder nur eine ähnliche Schwungform, ist eine Frage der Auslegung.
Sicher ist der weitere Weg. Als Preiszeichen für Stückpreise kam das At-Zeichen in den Handel, von dort auf die Schreibmaschinen der 1880er Jahre und mit diesen in den Zeichensatz ASCII von 1963. Dass es 1971 für die E-Mail zur Verfügung stand, verdankt es also dem Kaufmannsalltag.
Wie das At-Zeichen 1971 in die E-Mail kam
Ray Tomlinson arbeitete bei der Firma Bolt Beranek and Newman am ARPANET, dem Vorläufer des Internets. Nachrichten gab es dort nur innerhalb eines Rechners. Als Tomlinson zwei vorhandene Programme zusammensetzte, fehlte eine Schreibweise, die Person und Rechner in einer Zeile unterbringt.
Seine Wahl fiel auf das At-Zeichen, weil es auf der Tastatur lag, in Namen nicht vorkam und auf Englisch genau das sagte, was gemeint war: Benutzer at Rechner. Dieselbe Form steht bis heute in jeder Adresse. Welchen Text die erste Nachricht über das Netz enthielt, ist übrigens unbekannt; Tomlinson selbst hat gesagt, er erinnere sich nicht. Die oft zitierte Zeichenfolge QWERTYUIOP ist eine Legende.
Wie das At-Zeichen auf die Tastatur kommt
Je nach Betriebssystem und Tastaturbelegung liegt das Zeichen woanders. Die Tabelle führt die Wege, die auf deutschen Geräten gebraucht werden.
Tastatur | Eingabe |
|---|---|
Windows, deutsches Layout |
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Windows, ohne Alt Gr |
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Windows, über den Zeichencode |
|
macOS, deutsches Layout |
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macOS, Tastaturen bis 2007 |
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Schweizer Layout |
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US-Layout |
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Linux, deutsches Layout |
|
iPhone und Android | Umschalten auf die Zifferntastatur; in Feldern für E-Mail-Adressen steht das Zeichen direkt da |
Wer das At-Zeichen gar nicht findet, hat fast immer eine andere Belegung aktiv als gedacht, meist die amerikanische. In diesem Fall liefern Umschalt und 2 das Zeichen, und die Anführungszeichen liegen dafür auf einer anderen Taste.
Was das At-Zeichen in sozialen Netzwerken bedeutet
Vor einem Benutzernamen macht das At-Zeichen aus einer Erwähnung eine Adressierung. Wer @name schreibt, erzeugt eine Benachrichtigung bei dieser Person und einen Verweis auf ihr Profil. Entstanden ist der Gebrauch bei Twitter, wo Nutzer die Form ab 2006 von sich aus benutzten und der Dienst sie 2007 fest einbaute.
In einem Beitrag stehen Erwähnung und Hashtag oft nebeneinander und machen zwei verschiedene Dinge.
Vielen Dank @paunolo für deinen Beitrag #mademyday
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Erwähnung: benachrichtigt Hashtag: ordnet den Beitrag
genau dieses Konto einem Thema zuBeim Tippen hilft die Plattform mit: Sobald das At-Zeichen steht, blendet sie passende Konten ein, und erst die Auswahl daraus setzt die Verknüpfung.
Heute kennt praktisch jede Plattform die Erwähnung, von Instagram über LinkedIn bis zu Gruppenchats in WhatsApp und Slack. Im Fediverse, also bei Mastodon und verwandten Diensten, kehrt sogar die vollständige Adressform zurück: @name@server benennt die Person und den Rechner, auf dem ihr Konto liegt, genau wie bei einer E-Mail-Adresse.
Was das At-Zeichen in Programmiersprachen bedeutet
Fast jede Sprache hat dem Zeichen eine eigene Bedeutung gegeben. Ein gemeinsamer Nenner steckt nicht dahinter: Das At-Zeichen war auf jeder Tastatur vorhanden und sonst kaum belegt, und deshalb griffen so viele Sprachen danach.
Sprache | Bedeutung des Zeichens |
|---|---|
Unterdrückt die Fehlermeldung des folgenden Aufrufs | |
Leitet einen Dekorator ein, etwa @property | |
Leitet eine Annotation ein, etwa @Override | |
Leitet eine At-Regel ein, etwa @media oder @font-face | |
Ruby | Kennzeichnet eine Instanzvariable, etwa @name |
Julia | Ruft ein Makro auf, etwa @time |
Objective-C | Leitet Zeichenketten und Schlüsselwörter ein, etwa @"Text" |
Haskell | Bindet ein Muster an einen Namen, das As-Pattern |
Delphi | Liefert die Adresse einer Variablen im Speicher |
Forth | Holt den Wert von einer Adresse, der Fetch-Operator |
Im Weballtag begegnet die Form am häufigsten in CSS: Alle At-Regeln tragen das Zeichen im Namen, die bekannteste davon ist die Media Queries.
Was das At-Zeichen in einer Zonendatei bedeutet
Im Zone File einer Domain hat das At-Zeichen eine eigene Bedeutung: Es steht für die Zone selbst, also für die Domain ohne Zusatz. Die Zeile @ IN MX 10 mail1.anbieter.de. legt damit den Mailserver für homepage-helden.de fest, ohne den Namen zu wiederholen.
Der Zufall will es, dass beide Verwendungen in derselben Zeile stehen können: das At-Zeichen als Kurzform der Zone am Zeilenanfang und die Adresse, die es in ihrer Mitte trägt. Gemeinsam haben sie nur das Zeichen.
Wie das At-Zeichen kodiert und geschrieben wird
Im Zeichensatz ASCII trägt das At-Zeichen die Nummer 64, in Unicode den Codepunkt U+0040 mit dem Namen commercial at. Es liegt damit im Block Basic Latin und steht in jeder Zeichenkodierung an derselben Stelle, was es zu einem der wenigen wirklich überall gleichen Sonderzeichen macht.
Die folgenden vier Zeilen zeigen dieselbe Adresse in den Schreibweisen, die im Web vorkommen.
redaktion@homepage-helden.de so gehört die Adresse geschrieben
redaktion@homepage-helden.de dieselbe Adresse in HTML
@ benannte Form desselben Zeichens
redaktion [at] homepage-helden.de Schutzschreibweise, heute wirkungslosDie letzte Zeile ist ein Überbleibsel aus den 2000er Jahren, als Sammelprogramme Adressen von Webseiten lasen. Diese Programme lösen die Schreibweise längst auf, während Besucher die Adresse nicht mehr anklicken können. Ein Kontaktformular hält die Adresse besser aus dem Quelltext heraus.
Die DIN 5008 regelt in ihrer Fassung von 2020 noch einen zweiten Gebrauch: In einem Text an mehrere Empfänger darf das At-Zeichen am Zeilenanfang eine einzelne Person ansprechen, gefolgt von Leerzeichen, Name und Doppelpunkt. Die Norm nennt es dort Adresszeichen.
Wie das At-Zeichen in anderen Sprachen heißt
Kaum ein anderes Zeichen hat so viele Namen, und fast alle davon beschreiben ein Tier. Die Schwungform lädt offenbar zum Vergleich ein.
Sprache | Name | Wörtlich |
|---|---|---|
Deutsch | Klammeraffe | der Affe, der sich festklammert |
Niederländisch | apenstaartje | Affenschwänzchen |
Dänisch und Schwedisch | snabel-a | Rüssel-a |
Finnisch | kissanhäntä | Katzenschwanz |
Italienisch | chiocciola | Schnecke |
Griechisch | papáki | Entchen |
Polnisch | małpa | Affe |
Russisch | sobaka | Hund |
Ungarisch | kukac | Made |
Isländisch | fílseyra | Elefantenohr |
Tschechisch und Slowakisch | zavináč | Rollmops |
Koreanisch | golbaengi | Wellhornschnecke |
Hebräisch | shtrudel | Strudel |
Französisch | arobase | ohne Bild, aus arroba entlehnt |
Spanisch und Portugiesisch | arroba | altes Gewichtsmaß |
Deutsch reiht sich mit dem Klammeraffen in diese Reihe ein. Amtlich ist der Name nicht, durchgesetzt hat er sich trotzdem.
Wie das At-Zeichen zum Sinnbild des Internets wurde
Zwei Daten zeigen, wie weit es das Zeichen gebracht hat. Im Mai 2004 nahm die Internationale Fernmeldeunion das At-Zeichen in den Morsecode auf, als Folge von A und C ohne Pause dazwischen. Es war die erste Ergänzung des Codes seit Jahrzehnten, und sie kam, weil Funkamateure ihre E-Mail-Adressen durchgeben wollten.
Im März 2010 nahm das Museum of Modern Art in New York das Zeichen in seine Designsammlung auf. Es besitzt damit kein Objekt, sondern eine Gestaltungsidee. Die Begründung der Kuratorin Paola Antonelli zielte genau auf Tomlinsons Griff von 1971: Ein vorhandenes Zeichen bekam eine Aufgabe, die seitdem jeden Tag milliardenfach erfüllt wird.
Zum Codepunkt und zum Zeichennamen: Unicode, Block Basic Latin. Zur Aufnahme in den Morsecode: Empfehlung M.1677 der Internationalen Fernmeldeunion.