Die Aufmerksamkeitsspanne ist der Zeitraum, über den sich jemand einer Sache zuwendet, bevor er abbricht oder die Aufmerksamkeit wechselt. Eine feste Länge hat sie nicht. Wie lange jemand bei einer Sache bleibt, hängt von der Aufgabe ab, vom Interesse am Ergebnis und davon, wie leicht die Oberfläche das Weiterkommen macht. Der im Marketing beliebte Wert von acht Sekunden gehört nicht in diese Reihe.
- Aufmerksamkeitsspanne
Zeitraum, über den sich jemand einer Sache zuwendet, bevor er abbricht oder die Aufmerksamkeit wechselt.
Beispiel: „Die Aufmerksamkeitsspanne für ein Formular steigt, sobald der Besucher das Ergebnis dringend braucht.“Auch: Attention Span. Im Web ist damit meist etwas Engeres gemeint, nämlich die Verweildauer auf einer Seite bis zum Zurückspringen.
Verbreiteter Irrtum: Die Angabe, die Aufmerksamkeitsspanne sei von zwölf auf acht Sekunden gefallen, lässt sich auf keine Untersuchung zurückführen. Sie taugt weder als Argument noch als Gestaltungsregel.
Die acht Sekunden stammen aus einer Quelle, die niemand findet
Seit 2015 steht der Satz in Vorträgen, die menschliche Aufmerksamkeitsspanne liege bei acht Sekunden und damit unter der eines Goldfischs. Er geht auf einen Bericht von Microsoft Canada zurück, der die Zahl von der Website Statistic Brain übernommen hat. Als die BBC-Sendung „More or Less“ den dort genannten Belegstellen nachging, konnte keine davon eine passende Untersuchung finden.
Der Goldfisch kommt dabei ebenfalls schlecht weg: Die Verhaltensforschung benutzt Fische seit Jahrzehnten als Modell für Lernen und Gedächtnisbildung, gerade weil sie sich Dinge merken. Die Psychologin Gemma Briggs von der Open University hält die Frage nach einer typischen Länge für falsch gestellt. Wie jemand seine Aufmerksamkeit verteilt, hängt an dem, was er in die Situation mitbringt.
Was sich über Aufmerksamkeit im Web belegen lässt
Belastbar sind Daten zur Verweildauer. Eine Auswertung von Microsoft Research über mehr als zwei Milliarden Seitenbesuche zeigt, dass die Abbruchwahrscheinlichkeit in den ersten Sekunden am höchsten ist und danach abfällt. Wer die erste halbe Minute übersteht, bleibt meistens deutlich länger.
Diese Kurve beschreibt eine Entscheidung: Der Besucher prüft zuerst, ob die Seite seine Frage überhaupt betrifft, und investiert erst danach Zeit. In unseren Usability-Tests fällt diese Prüfung fast immer an der ersten Überschrift und am ersten Absatz.
Was daraus für deine Seite folgt
Die Konsequenz betrifft die Reihenfolge. Ein langer Text wird gelesen, wenn er früh erkennen lässt, dass er die Frage des Lesers trifft. Ein kurzer wird weggeklickt, wenn er mit einer Selbstbeschreibung des Unternehmens beginnt.
Wir empfehlen deshalb, die Kernaussage nach oben zu ziehen und jeden Abschnitt so zu beginnen, dass er für sich allein Sinn ergibt. Aufmerksamkeit wird am Anfang verdient und danach nur noch gehalten.