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Blockchain

oder auch Blockkette

Männliche Person, frontal, schaut in die Kamera; trägt kariertes Hemd über dunkelfarbigem T‑Shirt; heller Innenraum mit unscharfem Monitor oder Poster links und Fenster rechts.

von Richard Albrecht am 05.11.2026

Eine Blockchain ist eine fortlaufende Liste von Datenblöcken, die über Prüfwerte so verkettet sind, dass nachträgliche Änderungen auffallen. Jeder Block trägt den Prüfwert seines Vorgängers, und daraus entsteht die Kette, die dem Verfahren den Namen gibt.

Blockchain

Eine fortlaufende Liste von Datenblöcken, die über Prüfwerte so verkettet sind, dass nachträgliche Änderungen auffallen.
Beispiel: „Die Blockchain hält fest, wann welches Bauteil die Fabrik verlassen hat.“

Auch: Distributed Ledger, auf Deutsch verteiltes Kontenbuch. Das ist der Oberbegriff; die Blockchain ist die bekannteste Bauart davon.

Abgrenzung zur Kryptowährung: Die Blockchain ist die Technik, die Währung eine Anwendung darauf. Es gibt Blockchains ohne Währung und Währungen ohne Blockchain.

Was eine Blockchain ist, wenn man die Währung weglässt

Ein Protokoll, das alle Beteiligten gemeinsam führen und das niemand allein nachträglich ändern kann. Drei Zutaten machen das aus: die Verkettung über Prüfwerte, die Verteilung auf viele Rechner und eine Regel, nach der sich diese Rechner auf den nächsten Block einigen. Fehlt eine davon, ist es eine gewöhnliche Datenbank mit zusätzlichem Aufwand.

Wie die Kette technisch hält

Über eine Hash-Funktion. Jeder Block enthält den Prüfwert des Vorgängers; aus diesem Wert und dem eigenen Inhalt entsteht der eigene Prüfwert, der wiederum im nächsten Block steht.

Drei Blöcke nebeneinander. Jeder enthält den Prüfwert des Vorgängers, einen Inhalt und den daraus gebildeten eigenen Prüfwert; Pfeile führen jeweils vom Prüfwert zum Feld „vorher“ des nächsten Blocks.
Wer einen Block ändert, müsste alle folgenden mit ändern.

Die Folge ist die vielzitierte Unveränderlichkeit: Wer einen alten Block ändert, ändert dessen Prüfwert, und damit stimmt die Angabe im nächsten Block nicht mehr. Er müsste also jeden folgenden Block neu berechnen, und zwar schneller, als die übrigen Beteiligten neue anhängen.

Die Kette selbst nachrechnen

Mit sieben Zeilen. Das Beispiel bildet drei Blöcke und zeigt, wie der Prüfwert jedes Blocks in den nächsten einfließt.

import hashlib

vor = "0" * 64
for inhalt in ["Anna zahlt 10 an Bert", "Bert zahlt 4 an Cem", "Cem zahlt 1 an Anna"]:
    vor = hashlib.sha256((vor + inhalt).encode()).hexdigest()
    print(inhalt, "->", vor[:12])

# Anna zahlt 10 an Bert -> d08785ca5d13
# Bert zahlt 4 an Cem   -> 0e8ef1937506
# Cem zahlt 1 an Anna   -> 49155ebd83be

Wer in der ersten Zeile aus „10“ eine „100“ macht, bekommt für Block 1 den Wert 36ecf1f1064c und für alle folgenden ebenfalls andere. Mehr steckt hinter der Kette nicht; der ganze Rest einer Blockchain ist die Frage, wer den nächsten Block anhängen darf.

Wie sich die Beteiligten auf den nächsten Block einigen

Über ein Verfahren, das Mitschreiben teuer macht. Beim Arbeitsnachweis muss ein Rechner eine aufwendige Aufgabe lösen, um einen Block anhängen zu dürfen; das kostet Strom und macht einen Angriff unwirtschaftlich. Beim Anteilsnachweis hinterlegt ein Teilnehmer stattdessen Geld, das er verliert, wenn er betrügt.

Der Unterschied ist in Zahlen messbar. Das zweitgrößte Netz stellte am 15.09.2022 vom einen auf das andere Verfahren um und senkte seinen Energiebedarf nach Angaben der Ethereum Foundation um rund 99,95 Prozent. Wer heute über den Stromverbrauch von Blockchains spricht, meint also die Netze, die beim Arbeitsnachweis geblieben sind, und nicht die Technik als solche.

Die drei Arten von Blockchains

Sie unterscheiden sich darin, wer mitschreiben darf, und das ändert alles.

Art

Wer darf mitschreiben

Wofür sie benutzt wird

Öffentlich

Jeder, ohne Erlaubnis

Kryptowährungen, offene Anwendungen

Konsortium

Eine festgelegte Gruppe von Beteiligten

Lieferketten, Abrechnung zwischen Unternehmen

Privat

Eine einzelne Organisation

Interne Protokolle, meist ohne echten Gewinn

Daraus folgt die Frage, die jedes Vorhaben zuerst beantworten muss: Wenn ohnehin eine festgelegte Gruppe mitschreibt und eine Stelle die Regeln setzt, erledigt eine gewöhnliche Datenbank mit Protokollierung dieselbe Aufgabe schneller und billiger. Private Blockchains sind deshalb in den meisten Fällen eine teure Umschreibung für eine Datenbank.

Was Unveränderlichkeit wirklich bedeutet

Dass sich Einträge nicht unbemerkt ändern lassen, und sonst nichts. Drei Dinge folgen daraus nicht. Erstens sagt die Kette nichts über die Richtigkeit: Wer eine falsche Angabe hineinschreibt, hat sie danach unveränderlich falsch. Zweitens schützt sie nicht vor dem Verlust des privaten Schlüssels; ohne ihn ist der zugehörige Bestand endgültig weg. Drittens ist sie keine Garantie gegen Rückabwicklung: Mehrere Netze haben Einträge nachträglich rückgängig gemacht, als genug Beteiligte es wollten.

Was aus dem Datenschutzrecht folgt

Ein unauflösbarer Widerspruch, wenn personenbezogene Daten in die Kette kommen. Die Datenschutz-Grundverordnung gibt Betroffenen ein Recht auf Löschung, und eine Blockchain ist darauf gebaut, nicht zu löschen. Der Europäische Datenschutzausschuss hat dazu Leitlinien veröffentlicht und sie am 07.07.2026 in überarbeiteter Fassung beschlossen.

Drei Punkte daraus sind für die Praxis entscheidend. Personenbezogene Daten gehören neben die Kette statt hinein, sodass sich die Löschung über das Entfernen der Daten außerhalb erledigt. Verschlüsselte personenbezogene Daten bleiben personenbezogene Daten; Verschlüsselung ersetzt die Löschung nicht. Und die Lebensdauer der Kette ist keine zulässige Speicherfrist. Wer ein Vorhaben plant, entscheidet das beim Entwurf, denn hinterher ist es nicht mehr zu reparieren.

Nachzulesen sind die Leitlinien 02/2025 des Europäischen Datenschutzausschusses auf dessen eigener Seite. Sie behandeln auch die Frage, wer bei einem offenen Netz überhaupt Verantwortlicher im Sinne der Verordnung ist.

Was die europäische Regulierung verlangt

Für Kryptowerte eine Zulassung. Die Verordnung über Märkte für Kryptowerte ist seit dem 30.12.2024 anwendbar; Anbieter, die vorher schon tätig waren, durften längstens bis zum 01.07.2026 ohne Zulassung weiterarbeiten. Seither braucht, wer in der EU Kryptowerte verwahrt, tauscht oder handelt, eine Erlaubnis. Für die Technik selbst gilt das nicht: Eine Blockchain in einer Lieferkette fällt nicht darunter.

Wann eine Blockchain die falsche Wahl ist

Fast immer, und das lässt sich an vier Fragen prüfen. Gibt es mehrere Parteien, die einander misstrauen? Soll keine von ihnen die Oberhand haben? Müssen die Einträge für alle nachvollziehbar sein? Und ist die Reihenfolge der Einträge wichtig? Wer eine dieser Fragen mit Nein beantwortet, baut besser eine Datenbank.

In der Praxis scheitern die meisten Vorhaben an der ersten Frage. Wenn ein Unternehmen die Kette betreibt und die anderen mitmachen dürfen, ist das Misstrauen nur verschoben und nicht beseitigt; und die Stelle, an der die Daten in die Kette kommen, ist weiterhin ein Mensch oder ein Sensor, dem jemand glauben muss.

Ein Angebot mit Blockchain prüfen

Mit drei Fragen an den Anbieter. Erstens: Welches Problem löst die Kette, das eine Datenbank nicht löst? Zweitens: Wer betreibt die Knoten, und was passiert, wenn dieser Anbieter aufhört? Drittens: Welche personenbezogenen Daten landen in der Kette, und wie wird gelöscht? Wer auf die erste Frage mit Sicherheit oder Transparenz antwortet, ohne zu sagen wogegen und für wen, hat sie nicht beantwortet.

Den eigenen Betrieb vor Krypto-Betrug schützen

Mit einer einzigen Regel: Kein Vorgang im Haus wird in Kryptowährung bezahlt, ohne dass zwei Personen zugestimmt haben. Die Masche ist fast immer dieselbe, egal ob sie als Erpressung, als angebliche Rechnung oder als Anlageangebot auftritt, siehe Scam: Eine Zahlung in Kryptowährung ist nach dem Absenden endgültig und lässt sich nicht zurückholen. Genau das macht sie für Täter attraktiv, und genau deshalb gehört sie an denselben zweiten Blick wie jede andere ungewöhnliche Überweisung.

Woher das Wort kommt

Aus einer Beschreibung, die den Begriff selbst nicht benutzt. Das Papier, mit dem 2008 die erste funktionierende Umsetzung vorgestellt wurde, spricht von „blocks“ und von einer „chain“, aber nicht von einer „blockchain“; das Wort setzte sich erst in den Jahren danach zusammen. Dieselbe Bewegung gab es beim Oberbegriff: Was zuerst nur eine Zahlungsreihe war, heißt heute verteiltes Kontenbuch und umfasst auch Bauarten, die gar keine Kette bilden.

Siehe auch:

Hash-Funktion

Ein Rechenverfahren, das aus beliebig großen Daten einen Prüfwert fester Länge bildet.

#Web-Security

Kryptographie

Die Lehre von den Verfahren, mit denen sich Daten verbergen und ihre Echtheit belegen lässt.

#Web-Security

Asymmetrische Verschlüsselung

Ein Verfahren mit zwei zusammengehörenden Schlüsseln, von denen einer öffentlich sein darf.

#Web-Security

Private Key

Der Schlüssel eines Paares, der geheim bleiben muss.

#Web-Security

Anonymisierung

Das Verändern von Daten, bis sich kein Bezug zu einer Person mehr herstellen lässt.

#Web-Security

Scam

Das englische Wort für Betrug, im Netz der Sammelbegriff für Maschen, die direkt auf Geld zielen.

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