Ein UX-Audit ist die systematische Bestandsaufnahme einer bestehenden Website, bei der ein Prüfer Schwachstellen in Bedienung, Struktur, Inhalt und Technik dokumentiert und nach Dringlichkeit ordnet. Grundlage sind eine Prüfung aus Expertensicht und, wo vorhanden, Analysedaten und Aufzeichnungen von Sitzungen. Am Ende steht eine Liste von Befunden, jeder mit Begründung und Empfehlung.
- UX-Audit
Systematische Bestandsaufnahme einer bestehenden Website, die Schwachstellen in Bedienung, Inhalt und Technik dokumentiert.
Beispiel: „Vor dem Relaunch haben wir ein UX-Audit über die vierzig wichtigsten Seiten gelegt.“Auch: UX-Review, Usability-Audit oder Expert Review. Der Begriff ist nicht genormt; der Umfang wird im Angebot festgelegt.
Abgrenzung: Die heuristische Evaluation prüft eine Oberfläche gegen einen festen Regelsatz, meist Nielsens 10 Usability-Heuristiken. Das UX-Audit ist die breitere Aufnahme und zieht Analysedaten, Inhalte und technische Messwerte hinzu.
Was in einem Audit geprüft wird
Der Kern ist der Weg durch die wichtigsten Aufgaben. Ein Prüfer arbeitet ab, was echte Besucher auf der Seite vorhaben, und hält an jeder Station fest, was hakt. Dazu kommen Navigation und Benennungen, Formulare samt Fehlermeldungen, die Lesbarkeit der Inhalte, die Bedienung am Telefon und die Barrierefreiheit gegen die Kriterien der WCAG. Die Gewichtung liefern die Analysedaten: Eine Schwachstelle auf einer Seite mit vielen Einstiegen wiegt schwerer als dieselbe Schwachstelle in einem Nebenzweig. In unseren Relaunch-Projekten fehlt genau dieser Abgleich am häufigsten, wenn ein Audit intern erstellt wurde.
Die Grenze zur heuristischen Evaluation
Die heuristische Evaluation ist ein Verfahren mit festem Raster: Mehrere Prüfer gehen dieselbe Oberfläche gegen eine Liste von Grundsätzen durch und melden Verstöße mit Schweregrad. Das UX-Audit schließt dieses Verfahren als Bestandteil ein und geht darüber hinaus, weil Inhalte, Kennzahlen und technische Messwerte mit hineinspielen. Die Nielsen Norman Group beschreibt das Expert Review als die allgemeinere Form der heuristischen Evaluation, in die zusätzlich bekannte Richtlinien und die Erfahrung des Prüfers eingehen. Beide Verfahren stoßen an dieselbe Grenze: Ein Prüfer erkennt Verstöße gegen Regeln, echtes Verhalten zeigt erst ein Usability-Test.
Was am Ende auf dem Tisch liegt
Ein brauchbares Audit endet mit einer geordneten Liste. Jeder Befund nennt den Ort, die Beobachtung, die Begründung und eine Empfehlung, dazu eine Einschätzung von Aufwand und Wirkung. Die Reihenfolge ist wichtiger als die Vollständigkeit, denn eine Liste mit hundert gleichrangigen Punkten wird nie abgearbeitet. Wir empfehlen, die Befunde in drei Töpfe zu legen: was sich sofort und ohne neuen Entwurf ändern lässt, was in den nächsten Ausbau gehört und was erst ein Relaunch löst. Wo ein Befund auf einer Vermutung beruht, wird er als Hypothese markiert und wandert in die nächste Testrunde. Wie wir eine solche Bestandsaufnahme aufsetzen und was am Ende im Bericht steht, zeigt unser Seiten Review.