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Tag Cloud

oder auch Schlagwortwolke

Männliche Person, frontal, schaut in die Kamera; trägt kariertes Hemd über dunkelfarbigem T‑Shirt; heller Innenraum mit unscharfem Monitor oder Poster links und Fenster rechts.

von Richard Albrecht am 02.09.2026
(aktualisiert 16.10.2026)

Eine Tag Cloud ist die Darstellung von Schlagwörtern als Textblock, in dem die Schriftgröße die Häufigkeit abbildet: Je öfter ein Schlagwort vergeben wurde, desto größer erscheint es. Sie war in den 2000er Jahren ein verbreitetes Navigationselement und ist heute selten geworden.

Tag Cloud

Darstellung einer Schlagwortmenge, bei der die Schriftgröße jedes Worts seine Häufigkeit im Bestand anzeigt.
Beispiel: „Statt der Tag Cloud zeigen wir jetzt die zehn meistgenutzten Schlagwörter als Liste.“

Auch: Schlagwortwolke oder Wortwolke. Die deutsche Form findet sich vor allem außerhalb des Webs, etwa bei Auswertungen von Textkorpora.

Wie sie funktioniert

Die Grundlage ist eine Zählung: Wie oft kommt jedes Schlagwort im Bestand vor? Daraus wird eine Schriftgröße abgeleitet, meist in wenigen Stufen zwischen einem Mindest- und einem Höchstwert. Die Wörter erscheinen alphabetisch oder zufällig angeordnet, jedes verlinkt auf seine Übersichtsseite.

Der Reiz lag darin, den Schwerpunkt eines Bestands auf einen Blick zu zeigen. Wer eine Website zum ersten Mal besucht, sieht ohne Lesen, worum es überwiegend geht.

Warum sie aus der Mode gekommen ist

Der Hauptgrund ist die Lesbarkeit. Eine Wolke aus vierzig unterschiedlich großen Wörtern ohne erkennbare Ordnung ist anstrengend zu erfassen, und die kleinen Einträge werden schlicht übersehen. Die Häufigkeit eines Schlagworts sagt außerdem wenig darüber aus, wie interessant es für den Besucher ist: Ein Wort, das an jedem zweiten Beitrag hängt, grenzt nichts ein.

Dazu kommen Probleme mit der Barrierefreiheit. Sehr kleine Schriftgrößen unterschreiten schnell die Mindestanforderungen, und die visuelle Gewichtung geht für Screenreader verloren, ohne dass ein Ersatz angeboten wird. Wer eine Tag Cloud einsetzt, sollte deshalb eine Mindestgröße festlegen und die Häufigkeit zusätzlich im Text zugänglich machen.

Was heute stattdessen üblich ist

Verbreitet ist eine schlichte Liste der wichtigsten Schlagwörter in einheitlicher Größe, oft als Filterleiste über einer Übersicht. Sie ist leichter zu erfassen, funktioniert auf dem Telefon und lässt sich mit einer Auswahlmöglichkeit verbinden. Wo die Gewichtung wirklich interessiert, ist eine sortierte Liste mit Zahlenangabe die klarere Lösung.

Woher sie kommt

Bekannt wurde die Darstellung durch zwei Dienste, die Mitte der 2000er Jahre das Verschlagworten durch die Nutzer selbst einführten: die Lesezeichensammlung del.icio.us und die Fotoplattform Flickr. Beide zeigten die vergebenen Schlagwörter als gewichteten Textblock, und die Darstellung wurde zum Erkennungszeichen einer ganzen Generation von Websites. Das dahinterliegende Prinzip heißt Folksonomy: Eine Ordnung entsteht nicht durch eine vorgegebene Systematik, sondern durch die Summe der Schlagwörter, die Nutzer vergeben. Genau darin unterscheidet sie sich von einer geplanten Informationsarchitektur.

Warum die Größenberechnung der schwierige Teil ist

Schlagwörter verteilen sich selten gleichmäßig. Ein oder zwei Begriffe hängen an fast jedem Beitrag, der lange Rest an je zwei oder drei. Wer die Schriftgröße linear aus der Häufigkeit ableitet, bekommt zwei riesige Wörter und vierzig winzige. In der Praxis wird deshalb logarithmisch skaliert oder nach Rangfolge in wenige Stufen eingeteilt. Erst dadurch entsteht im Mittelfeld überhaupt ein sichtbarer Unterschied.

Zwei Felder mit denselben acht Schlagwörtern. Links dominieren zwei sehr große Wörter, die übrigen sind wenige Pixel groß und kaum lesbar. Rechts unterscheiden sich die Größen nur in vier Stufen, alle Wörter bleiben lesbar.
Die Stufen sind nicht die schönere Lösung, sondern die einzige, in der die seltenen Schlagwörter noch anklickbar bleiben.

Dazu kommt die Auswahl. Eine Wolke über alle Schlagwörter wird mit wachsendem Bestand immer unlesbarer. Üblich ist eine Obergrenze, etwa die dreißig häufigsten, und eine Mindesthäufigkeit für die Aufnahme.

Der SEO-Aspekt, der oft übersehen wird

Jedes Schlagwort erzeugt eine eigene Übersichtsseite. Eine Wolke mit hundert Schlagwörtern verlinkt damit hundert Seiten, von denen viele einen einzigen Beitrag listen. Für Suchmaschinen sind das dünne Seiten, die untereinander fast gleich aussehen und die interne Verlinkung verwässern. Wer verschlagwortet, sollte deshalb entscheiden, welche Schlagwortseiten eigenen Wert haben und indexiert werden, und die übrigen auf noindex setzen. Die Wolke verlinkt dann nur die Seiten, die bleiben.

Wo sie heute noch am richtigen Platz ist

Als Navigationselement auf einer Website ist die Tag Cloud überholt. Als Auswertungsdarstellung ist sie das nicht: In der Textanalyse, bei Freitextantworten aus einer Umfrage oder bei den Suchbegriffen aus der internen Suche zeigt sie schnell, welche Begriffe dominieren. Der Unterschied liegt im Zweck. Dort ist die Häufigkeit die Information, und der Betrachter will genau sie sehen. In einer Navigation ist die Häufigkeit nur ein Nebenprodukt und kein Grund, ein Ziel anzuklicken.

Siehe auch:

Tag (Verschlagwortung)

Ein frei vergebenes Schlagwort, das einen Inhalt beschreibt und ihn mit gleich verschlagworteten Inhalten verbindet.

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Mega Menü

Großflächiges Aufklappmenü, das die Unterpunkte eines Bereichs mehrspaltig und auf einen Blick zeigt.

#Webdesign-Grundlagen #Website-Struktur

Informationsarchitektur

Die Disziplin, die Inhalte ordnet, benennt und in Beziehung setzt, damit Menschen finden, was sie suchen.

#Benutzererfahrung (UX) #Website-Struktur

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