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Penetrationstest

oder auch Penetration Test, Pentest, Schwachstellenscan

Männliche Person, frontal, schaut in die Kamera; trägt kariertes Hemd über dunkelfarbigem T‑Shirt; heller Innenraum mit unscharfem Monitor oder Poster links und Fenster rechts.

von Richard Albrecht am 04.11.2026

Ein Penetrationstest ist ein beauftragter Angriff auf das eigene System, um Lücken vor anderen zu finden. Beauftragt heißt: mit schriftlicher Erlaubnis, in einem festgelegten Umfang und zu einer vereinbarten Zeit.

Penetrationstest

Ein beauftragter Angriff auf das eigene System, um Lücken vor anderen zu finden.
Beispiel: „Der Penetrationstest fand drei Wege in den geschützten Bereich.“

Auch: Kurz Pentest. Je nach Vorwissen der Prüfer heißt die Spielart Black Box, Grey Box oder White Box.

Abgrenzung zum Schwachstellenscan: Der ist ein Werkzeug, das bekannte Muster sucht. Im Penetrationstest verkettet ein Mensch die Funde zu einem Weg hinein.

Wie ein Penetrationstest abläuft

In fünf Phasen, und die erste entscheidet über den Wert der letzten.

Fünf Stationen: Umfang festlegen, Informationen sammeln, Lücken suchen und bestätigen, Funde zu einem Weg verketten, Bericht schreiben und später nachtesten.
Der Nachtest fehlt in den meisten Angeboten und entscheidet über den Nutzen.

Die vierte Phase ist die, die den Unterschied zu einem Scan ausmacht. Drei Funde, die einzeln harmlos aussehen, ergeben zusammen den Weg zum Verwalterkonto: ein Benutzername aus einer Fehlermeldung, ein Formular ohne Begrenzung der Versuche und ein altes Konto, das niemand gelöscht hat. Der fünfte Schritt wird am häufigsten vergessen, dabei ist der Nachtest der einzige Beleg dafür, dass die Arbeit gewirkt hat.

Welche Arten von Penetrationstests es gibt

Vier, unterschieden nach dem Vorwissen der Prüfer.

Spielart

Was die Prüfer wissen

Wofür sie taugt

Black Box

Nur die Adresse

Zeigt, was ein Fremder von außen erreicht

Grey Box

Zugang wie ein normaler Kunde

Der häufigste Fall, prüft auch den Bereich hinter der Anmeldung

White Box

Quellcode, Unterlagen, Zugänge

Findet am meisten je eingesetztem Tag

Red Teaming

Ein Ziel statt eines Umfangs

Prüft die Erkennung im Haus, nicht nur die Technik

Daraus folgt eine häufige Fehlentscheidung: Black Box wirkt am realistischsten und ist meist die teuerste Art, dieselben Funde zu bekommen. Wer ein Budget für zehn Tage hat, bekommt bei Grey oder White Box deutlich mehr dafür, weil die Prüfer die Zeit in die Tiefe stecken statt in das Erraten der Oberfläche.

Was einen Penetrationstest teuer oder günstig macht

Vier Größen, die im Angebot stehen sollten. Der Umfang, also die Zahl der Anwendungen, Rollen und Schnittstellen. Die Tiefe, vom automatisierten Durchlauf bis zur Prüfung der Geschäftslogik. Die Art des Vorwissens. Und die Frage, ob ein Nachtest enthalten ist.

Was den Preis nicht bestimmt, ist die Zahl der gefundenen Lücken; ein sauberer Bericht ohne kritische Funde ist dieselbe Arbeit. Wer nach Funden bezahlt, bekommt Funde, und zwar auch solche, die keine sind.

Was im Bericht eines Penetrationstests stehen muss

Fünf Dinge je Fund: wo er steckt, wie er sich reproduzieren lässt, was ein Angreifer damit erreicht, wie schwer er wiegt und was dagegen hilft. Dazu eine Zusammenfassung für die Geschäftsführung, die ohne Fachbegriffe auskommt, und eine Liste der Dinge, die geprüft wurden, ohne auffällig zu sein.

Die Einordnung folgt meist den OWASP Top 10 und einer Bewertungsskala. Wichtig ist der Unterschied zwischen technischer Schwere und Dringlichkeit im eigenen Betrieb: Eine mittelschwere Lücke im offenen Formular wiegt schwerer als eine kritische in einem Bauteil, das hinter der Anmeldung liegt.

Was ein Penetrationstest nicht leistet

Er ist eine Momentaufnahme. Geprüft wird der Stand eines bestimmten Tages, und schon der nächste Release kann eine neue Lücke mitbringen; eine Woche später erscheint ohnehin die nächste Meldung, siehe Sicherheitslücke. Deshalb ersetzt ein Test kein Patch-Management und keine laufende Beobachtung der Protokolle.

Er ist außerdem kein Zertifikat. Ein Bericht sagt, was an diesem Tag in diesem Umfang gefunden wurde; ein Siegel für die Website folgt daraus nicht. Und er findet nur, was im Umfang steht: Wer die Schnittstelle für die App aus dem Angebot streicht, bekommt dazu auch keine Funde.

Was rechtlich vor einem Penetrationstest zu klären ist

Die Erlaubnis, schriftlich. Ohne sie erfüllt die Prüfung den Tatbestand des Ausspähens von Daten, auch bei bester Absicht, siehe Hacker. Wer bei einem Dienstleister hostet, braucht dessen Zustimmung dazu; die großen Anbieter haben dafür eigene Formulare. Und wenn im Test echte Kundendaten sichtbar werden, gehört geregelt, was damit passiert, siehe DSGVO-konformes Hosting.

Einen Penetrationstest ausschreiben

Mit einer Seite Text, die fünf Fragen beantwortet. Was wird geprüft, in welcher Umgebung, mit welchem Vorwissen, in welchem Zeitfenster und wer ist Ansprechpartner? Dazu die Bitte um ein Angebot mit Tagen statt Pauschale, um einen Beispielbericht und um die Zusage, dass ein Nachtest enthalten ist. Ein Anbieter, der ohne Rückfragen ein Festpreisangebot schickt, hat den Umfang nicht verstanden.

Den Bericht abarbeiten

In der Reihenfolge der Ausnutzbarkeit und nicht der Punktzahl. Alles, was ohne Anmeldung aus dem Netz erreichbar ist, kommt zuerst; dann die Funde hinter der Anmeldung; dann die Hinweise auf Härtung. Jeder Punkt bekommt einen Namen und ein Datum. Was sich nicht schnell beheben lässt, wird vorübergehend abgeschirmt, etwa über eine Web Application Firewall. Am Ende steht der Nachtest, und erst dessen Ergebnis geht an die Geschäftsführung.

Zwischen Penetrationstest und Schwachstellenscan wählen

Nach Reife und Budget. Wer noch nie geprüft hat, findet mit einem Scanner die offensichtlichen Dinge günstig: fehlende Updates, offene Dienste, bekannte Lücken in Erweiterungen. Ein Penetrationstest lohnt sich, sobald diese Schicht sauber ist, denn er findet das, was kein Werkzeug sieht: Fehler in der Geschäftslogik, Rechte, die zu weit reichen, und Wege, die erst durch Verkettung entstehen. In der Praxis läuft der Scanner laufend und der Test einmal im Jahr.

Siehe auch:

Sicherheitslücke

Ein Fehler in Software oder Konfiguration, über den sich etwas tun lässt, das nicht vorgesehen ist.

#Web-Security

Exploit

Der Code oder Ablauf, mit dem sich eine Sicherheitslücke ausnutzen lässt.

#Web-Security

OWASP Top 10

Die Liste der zehn wichtigsten Risikogruppen in Webanwendungen, herausgegeben vom OWASP.

#Web-Security

Hacker

Jemand, der Technik über ihren vorgesehenen Zweck hinaus benutzt, mit Auftrag oder ohne.

#Web-Security

Patch-Management

Das geregelte Einspielen von Updates, von der Meldung über die Bewertung bis zum Nachweis.

#Web-Security

Web Application Firewall (WAF)

Ein Filter vor der Anwendung, der Anfragen auf bekannte Angriffsmuster prüft.

#Web-Security