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Lost in the Middle

Männliche Person, frontal, schaut in die Kamera; trägt kariertes Hemd über dunkelfarbigem T‑Shirt; heller Innenraum mit unscharfem Monitor oder Poster links und Fenster rechts.

von Richard Albrecht am 18.10.2026

Lost in the Middle bezeichnet den Befund, dass Sprachmodelle Angaben in der Mitte einer langen Eingabe schlechter verwerten als Angaben am Anfang und am Ende. Dieselbe Information führt also je nach Position zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Lost in the Middle

Angaben in der Mitte einer langen Eingabe werden schlechter verwertet als am Anfang und am Ende.
Beispiel: „Lost in the Middle erklärte, warum dieselbe Angabe an Position 3 gefunden wurde und an Position 15 nicht.“

Die Kurve ist U-förmig: hohe Trefferquote am Anfang, Einbruch in der Mitte, Erholung am Ende. Der Effekt tritt auch bei Modellen auf, die ausdrücklich für lange Eingaben gebaut sind.

Abgrenzung zu Context Rot: Der beschreibt den Abfall der Güte mit wachsender Länge insgesamt. Lost in the Middle beschreibt die Abhängigkeit von der Position innerhalb derselben Länge.

Der Befund stammt aus „Lost in the Middle: How Language Models Use Long Contexts“ (Liu u. a., Juli 2023). Die Güte ist am höchsten, wenn die gesuchte Angabe „at the beginning or end of the input context“ steht; in der Mitte fällt sie deutlich ab.

Was daraus für Prompts folgt

Die Anweisung gehört ans Ende, direkt vor die Antwort. Langes Material steht davor. Was unbedingt beachtet werden soll, steht zusätzlich am Anfang. Diese Reihenfolge ist kein Stilmittel, sondern die Antwort auf eine gemessene Eigenschaft, und sie wirkt bei langen Eingaben deutlich.

Was daraus für RAG folgt

Dass die Reihenfolge der Fundstellen zählt. Die beste Stelle gehört nach vorn oder ganz nach hinten, und genau deshalb lohnt ein Reranker doppelt: Er sortiert nicht nur aus, er setzt das Wichtigste an die Stellen, an denen es wirkt. Wer zwanzig Fundstellen in zufälliger Reihenfolge übergibt, verschenkt einen Teil davon.

Warum größere Kontextfenster das nicht lösen

Weil die Eigenschaft von der Verteilung der Aufmerksamkeit herrührt und nicht von einer Obergrenze. Ein Modell mit einer Million Token Kontext kann mehr aufnehmen, verwertet aber weiterhin die Ränder besser als die Mitte. Mehr Platz ersetzt deshalb keine Auswahl, siehe Kontextlänge.

Siehe auch:

Context Rot

Der Genauigkeitsverlust eines Modells, je länger die Eingabe wird.

#Künstliche Intelligenz (KI)

Needle in a Haystack

Ein Test, bei dem ein Modell eine einzelne eingefügte Angabe in einer langen Eingabe finden soll.

#Künstliche Intelligenz (KI)

Kontextlänge

Die Zahl der Token, die ein Sprachmodell in einer Anfrage verarbeiten kann.

#Künstliche Intelligenz (KI)

Kontextfenster

Die Textmenge, die ein Sprachmodell bei einer Anfrage gleichzeitig vor sich hat.

#Künstliche Intelligenz (KI)

Prompting (KI)

Das Formulieren der Eingabe, mit der ein Sprachmodell zu einer Antwort gebracht wird.

#Künstliche Intelligenz (KI)