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Context Rot

oder auch Kontextverfall

Männliche Person, frontal, schaut in die Kamera; trägt kariertes Hemd über dunkelfarbigem T‑Shirt; heller Innenraum mit unscharfem Monitor oder Poster links und Fenster rechts.

von Richard Albrecht am 17.10.2026

Context Rot bezeichnet den Befund, dass ein Sprachmodell mit wachsender Länge der Eingabe ungenauer antwortet, lange bevor das Kontextfenster voll ist. Die Angabe steht im Fenster, und das Modell findet sie trotzdem seltener.

Context Rot

Der Genauigkeitsverlust eines Modells, je länger die Eingabe wird.
Beispiel: „Dieselbe Frage trifft im kurzen Dokument, im hundertseitigen Anhang geht sie unter: ein Fall von Context Rot.“

Auch: Kontextverfall. Beide Ausdrücke meinen dasselbe, der englische ist verbreiteter.

Abgrenzung zum Überlaufen: Das Überlaufen ist eine harte Grenze, die eine Fehlermeldung oder eine Kontextkompaktierung auslöst. Context Rot wirkt vorher und ohne Hinweis.

Drei Kreise aus Punkten mit vier, acht und zwölf Punkten, in denen jeder Punkt mit jedem anderen durch eine dünne Linie verbunden ist, darunter die Zahl der Beziehungen: 6, 28 und 66
Bei zwölf Token sind es schon 66 Beziehungen. Bei hunderttausend sind es Milliarden.

Woher der Effekt kommt

Aus der Bauweise. In der Transformer-Architektur kann jedes Token auf jedes andere achten. Bei doppelter Länge vervierfacht sich die Zahl der Paare, und die Aufmerksamkeit des Modells verteilt sich entsprechend dünner. Dazu kommt, dass Trainingsdaten überwiegend aus kürzeren Texten bestehen, mit sehr langen Eingaben also weniger Übung vorliegt.

Was gemessen wurde

Mehr als ein Eindruck aus der Praxis.

Die Untersuchung, die dem Begriff zu seiner Verbreitung verhalf, stammt von Chroma: Context Rot, 14. Juli 2025. Geprüft wurden 18 Modelle. Ergebnis im Wortlaut: Die Modelle nutzen ihren Kontext nicht gleichmäßig, ihre Leistung werde mit wachsender Eingabelänge zunehmend unzuverlässig. Der Abfall zeigte sich in allen Versuchen und fiel stärker aus, je weniger die gesuchte Stelle der Frage ähnelte.

Was im Alltag daraus folgt

Große Fenster zu meiden wäre die falsche Lehre. Die richtige: sie bewusst füllen. Den Abschnitt anhängen statt des Handbuchs, die Frage nah an das Material stellen, lange Unterhaltungen verdichten lassen und eine Suche vorschalten, wenn der Bestand groß ist. Genau dafür gibt es RAG und das Context Engineering.

In unseren Projekten fällt der Effekt am ehesten bei langen Unterhaltungen auf, in denen früh etwas vereinbart wurde. Das Modell widerspricht der Absprache nicht, es übergeht sie. Wer eine wichtige Vorgabe am Ende der Anfrage wiederholt, bekommt sie verlässlicher berücksichtigt als jemand, der sich auf den Anfang des Verlaufs verlässt.

Siehe auch:

Kontextfenster

Die Textmenge, die ein Sprachmodell bei einer Anfrage gleichzeitig vor sich hat.

#Künstliche Intelligenz (KI)

Context Engineering

Das Zusammenstellen und Pflegen dessen, was zur Laufzeit im Kontextfenster steht.

#Künstliche Intelligenz (KI)

Kontextkompaktierung (Context Compaction)

Das Zusammenfassen eines vollen Gesprächsverlaufs, damit ein KI-Werkzeug im frischen Kontextfenster weiterarbeiten kann.

#Künstliche Intelligenz (KI)

Transformer-Architektur

Der Bauplan heutiger Sprachmodelle, der allein auf Aufmerksamkeit statt auf Reihenfolge setzt.

#Künstliche Intelligenz (KI)

RAG (Retrieval Augmented Generation)

Ein Verfahren, das vor der Antwort im eigenen Bestand sucht und den Fund in den Prompt legt.

#Künstliche Intelligenz (KI)

Token (KI)

Die kleinste Einheit, in die ein Sprachmodell Text zerlegt, meist ein Wortteil.

#Künstliche Intelligenz (KI)