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Guerilla-Testing

oder auch Guerilla Usability Testing, Guerrilla Testing

Männliche Person, frontal, schaut in die Kamera; trägt kariertes Hemd über dunkelfarbigem T‑Shirt; heller Innenraum mit unscharfem Monitor oder Poster links und Fenster rechts.

von Richard Albrecht am 24.09.2026

Guerilla-Testing ist der Usability-Test ohne Rekrutierung und ohne Labor: Du sprichst Leute an, die gerade Zeit haben, in der Kantine oder auf einer Messe, und lässt sie an einem mitgebrachten Notebook oder Telefon zwei bis drei Aufgaben erledigen. Eine Sitzung dauert fünf bis zehn Minuten. Die Methode kostet einen Nachmittag und ein paar Kaffees. Sie findet die Art Problem, die im eigenen Team längst niemand mehr sieht.

Guerilla-Testing

Usability-Test ohne Rekrutierung und ohne Labor, bei dem Passanten an einem mitgebrachten Gerät kurze Aufgaben erledigen.
Beispiel: „Zwei Stunden Guerilla-Testing in der Mittagspause haben gereicht: Fünf von sechs Leuten hielten die Preisangabe für einen Endpreis.“

Auch: Guerrilla Testing oder Guerilla Usability Testing, mit einem oder zwei „r“ geschrieben. Der Begriff geht auf Jakob Nielsens Aufsatz „Guerrilla HCI“ von 1994 zurück, in dem er billige Prüfverfahren gegen die Scheu vor aufwendigen Studien empfahl.

Abgrenzung: Die Teilnehmer sind zufällig und gehören selten zur Zielgruppe. Das Verfahren trägt deshalb Verständnisfragen, während Aussagen über den Arbeitsalltag einer Zielgruppe einem geplanten Test überlassen bleiben.

Wie eine Runde in der Praxis läuft

Vorbereitet wird wenig, und das Wenige zählt: ein aufgeladenes Gerät, zwei Aufgaben und eine zweite Person, die mitschreibt. Die Ansprache bittet um Minuten und verspricht keine Belohnung, die niemand einlösen kann. Bewährt hat sich ein Satz, der die Rollen klärt: Geprüft wird die Seite, die Person hilft dabei.

Fünf oder sechs Sitzungen reichen für ein Bild. Wer länger sammelt, hört ab der siebten Person meist dasselbe. Ausgewertet wird am besten direkt danach, mit einer Liste der Stellen, an denen es mehr als einmal geknirscht hat.

Was dabei herauskommt

Guerilla-Testing findet die groben Verständnisprobleme: einen Begriff im Menü, den außerhalb des Teams niemand kennt, oder eine Schaltfläche, die nicht als Schaltfläche gelesen wird. Das sind Probleme der ersten halben Minute, und dafür braucht es keine passende Zielgruppe, weil sie jeden treffen.

Für Kennzahlen taugt das Verfahren nicht. Sechs zufällige Passanten ergeben keine Erfolgsquote, die in einen Bericht gehört, und Aufgaben mit Fachwissen scheitern an der falschen Vorbildung. In der Praxis nutzen wir Guerilla-Testing als Frühwarnung: Was sechs Passanten hintereinander missverstehen, liegt am Wording und lässt sich noch am selben Tag ändern.

Woran es scheitert

Der häufigste Fehler ist die Verwechslung mit einem geplanten Test. Wer aus sechs Zufallsgesprächen eine Entscheidung über ein Preismodell ableitet, hat den Rahmen der Methode überdehnt und wird das später merken.

Dazu kommen praktische Dinge. In fremden Räumen brauchst du eine Erlaubnis, für Aufzeichnungen erst recht, weshalb es im Zweifel beim Notizblock bleibt. Und die Aufgabe muss ohne Vorrede funktionieren: Wer gerade auf seinen Kaffee wartet, hört sich keine Einführung in dein Produkt an.

Siehe auch:

Usability-Test

Prüfverfahren, bei dem echte Nutzer echte Aufgaben an einer Oberfläche erledigen, während jemand beobachtet und mitschreibt.

#Benutzererfahrung (UX)

Moderiertes Testing

Usability-Test, bei dem eine Testleitung während der Sitzung dabei ist, die Aufgaben ausgibt und im Gespräch nachfragt.

#Benutzererfahrung (UX)

Prototyp

Vorabversion eines Interfaces, die gebaut wird, um eine Annahme zu prüfen, bevor die Umsetzung beginnt.

#Benutzererfahrung (UX)