Der Doherty Threshold bezeichnet eine Antwortzeit von 400 Millisekunden. Bleibt ein System darunter, arbeiten Mensch und Maschine im gleichen Takt, und keiner wartet auf den anderen. Der Wert stammt aus einem IBM-Bericht von 1982: Walter J. Doherty und Ahrvind J. Thadani beschrieben in „The Economic Value of Rapid Response Time“, dass die Zahl der bearbeiteten Vorgänge stärker stieg, als die eingesparte Wartezeit erklärt, sobald die Antwortzeit von zwei Sekunden auf unter 400 Millisekunden fiel.
- Doherty Threshold
Antwortzeit von 400 Millisekunden, unterhalb der Nutzer und System ohne merkliche Wartezeit zusammenarbeiten.
Beispiel: „Der Filter im Shop schaltet unter 400 Millisekunden um, deshalb probieren Besucher mehrere Kombinationen aus.“Grundlage ist eine betriebliche Auswertung bei IBM, keine psychologische Messreihe. Gemessen wurde an Großrechner-Terminals mit geübten Sachbearbeitern. Die Übertragung auf Websites ist eine Analogie.
Abgrenzung: Der Schwellenwert beschreibt die Antwort auf eine einzelne Eingabe. Wie schnell eine ganze Seite erscheint, ist eine andere Größe und wird über die Core Web Vitals bewertet.
Was IBM 1982 gemessen hat
Doherty und Thadani verglichen, wie viele Vorgänge Sachbearbeiter pro Stunde schafften, wenn der Rechner schneller antwortete. Der damalige Richtwert lag bei zwei Sekunden, weil man annahm, dass Nutzer zwischen zwei Eingaben ohnehin nachdenken. Die Auswertung zeigte etwas anderes: Nutzer halten eine Folge von Schritten im Kopf, und jede längere Pause zerstört diese Folge.
Für die Einordnung ist der Rahmen wichtig: eine Produktivitätsrechnung mit geübten Nutzern an immer derselben Aufgabe. Die 400 Millisekunden stammen aus einem Arbeitsplatz, den es so nicht mehr gibt.
Im Web sind 400 Millisekunden selten zu halten
Jakob Nielsen hat die Grenzen der Wahrnehmung 1993 in drei Werten zusammengefasst, die bis heute zitiert werden: Bis 0,1 Sekunden wirkt eine Reaktion unmittelbar, bis 1 Sekunde bleibt der Gedankengang erhalten, ab 10 Sekunden wendet sich die Aufmerksamkeit ab. Der Doherty Threshold liegt zwischen den ersten beiden Werten.
Damit ist er ein anspruchsvolles Ziel: Eine Serveranfrage samt Datenbankzugriff und Rendern im Browser bleibt selten unter 400 Millisekunden. Erreichbar ist der Wert dort, wo die Antwort schon im Browser liegt, etwa bei einer Sortierung über bereits geladene Daten.
Gefühlte Geschwindigkeit lässt sich gestalten
Wenn die echte Antwortzeit nicht reicht, entscheidet die erste Rückmeldung. Ein Button, der seinen Zustand sofort ändert, hält den Takt auch dann, wenn das Ergebnis eine Sekunde später kommt. Filter und Sortierungen setzen wir deshalb optimistisch um: Die Oberfläche zeigt den neuen Zustand sofort und korrigiert sich, falls die Antwort abweicht.
Ab etwa einer Sekunde braucht es einen sichtbaren Hinweis, dass etwas passiert. Unterhalb dieser Grenze schadet ein Ladeindikator eher, weil er die Aufmerksamkeit erst auf das Warten lenkt.