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Grounding Page: Was der Standard verlangt und was die Belege hergeben

Männliche Person, frontal, schaut in die Kamera; trägt kariertes Hemd über dunkelfarbigem T‑Shirt; heller Innenraum mit unscharfem Monitor oder Poster links und Fenster rechts.

von Richard Albrecht am 26.08.2026

Lesedauer: 9 Minuten
SEO KI Content

In Kürze: Eine Grounding Page ist eine Seite, die ausschließlich überprüfbare Fakten über genau eine Entität nennt, etwa ein Unternehmen oder ein Produkt. Der Grounding Page Standard stammt von Hanns Kronenberg und liegt seit November 2025 vor, aktuell in Version 1.6. Weder Google noch OpenAI haben bestätigt, dass sie solche Seiten bevorzugt auswerten.

Seit einigen Monaten taucht in der deutschen SEO-Szene ein neuer Begriff auf: die Grounding Page. Eine Seite, die einem KI-System die Fakten über dein Unternehmen so serviert, dass es sie zuverlässig übernimmt. Das Suchvolumen für den Begriff ist zwischen Februar und August 2026 von praktisch null auf mehrere Hundert Anfragen im Monat gestiegen.

Interessant an dem Thema ist der Streit dahinter. Auf der einen Seite steht ein ausformulierter Standard mit Versionsnummer. Auf der anderen stehen SEOs mit langer Praxis, die dem Konzept vorwerfen, es verkaufe eine gut gepflegte Über-uns-Seite als Innovation.

Dieser Artikel klärt beides: was der Standard konkret verlangt, und was sich über seine Wirkung tatsächlich belegen lässt. Am Ende findest du einen Prompt, mit dem du dir den Inhalt für deine eigene Grounding Page erzeugen lassen kannst.

Inhaltsverzeichnis:
  • Was eine Grounding Page ist

    • Grounding und Grounding Page sind zwei verschiedene Dinge

  • Wer den Standard definiert und wo er steht

  • Gibt es Belege, dass KI-Systeme diese Seiten auswerten?

    • Was gesichert ist

    • Die eine konkrete Messung

    • Was dagegen spricht

  • Wie du eine Grounding Page aufbaust

  • Der Prompt für deinen KI-Chat

  • Für wen sich der Aufwand lohnt

Was eine Grounding Page ist

Eine Grounding Page ist eine öffentliche Seite, die die Fakten zu genau einer Entität festhält: einem Unternehmen, einer Person, einem Produkt, einer Dienstleistung. Sie verzichtet auf Werbesprache und liefert stattdessen kurze, überprüfbare Aussagen in einer Form, die eine Maschine sicher auslesen kann.

Der Vergleich, den der Standard selbst zieht, trifft es gut: So wie ein Impressum die rechtliche Identität eines Unternehmens klärt, soll eine Grounding Page die semantische Identität klären. Wer bist du, was machst du, womit wirst du verwechselt.

Grounding und Grounding Page sind zwei verschiedene Dinge

An dieser Stelle lohnt eine Unterscheidung, die in vielen Beiträgen untergeht. Grounding ist ein etablierter, von den Herstellern dokumentierter Fachbegriff. Er bezeichnet das Verfahren, mit dem ein Sprachmodell seine Antwort an extern abgerufenen Belegen verankert, statt allein aus dem Trainingswissen zu schöpfen. Google beschreibt das in der Dokumentation zu Vertex AI unter dem Namen Grounding with Google Search, inklusive einer Logik, die pro Anfrage entscheidet, ob überhaupt gesucht wird.

Die Grounding Page ist etwas anderes. Sie ist ein Vorschlag dafür, wie eine Seite aussehen sollte, damit sie bei diesem Abruf gut abschneidet. Der Begriff Grounding ist also gesetzt und dokumentiert, der Seitentyp ist es nicht. Diese Trennung ist wichtig, weil die Seriosität des ersten Begriffs gern auf den zweiten übertragen wird.

Wer den Standard definiert und wo er steht

Der Grounding Page Standard wird vom Grounding Page Project veröffentlicht, das sich selbst als unabhängige, offene Initiative beschreibt. Konzipiert hat ihn Hanns Kronenberg, ein in der deutschen SEO-Szene bekannter Fachmann, der lange bei SISTRIX gearbeitet hat. GroundingPage ist als Marke auf ihn eingetragen.

Die Eckdaten: Die Domain wurde am 20. November 2025 registriert, seitdem liegt der Standard vor. Die aktuelle Fassung ist Version 1.6, zuletzt aktualisiert am 20. Juni 2026. Nachlesen lässt sich alles an drei Stellen, nämlich unter /spec/ für die Spezifikation, unter /spec/technical-implementation/ für die technische Umsetzung und unter /playbook/ für die praktische Anleitung.

Und jetzt der Punkt, der in der Bewertung entscheidet: Hinter dem Standard steht kein Gremium. Er ist nicht bei der W3C, der IETF oder bei schema.org eingereicht, es gibt kein veröffentlichtes Governance-Modell und keinen Kreis von Organisationen, die ihn gemeinsam tragen. Das macht ihn nicht wertlos, ein einzelner Fachmann kann eine gute Konvention formulieren. Es macht ihn aber zu einem Vorschlag und nicht zu einer Norm, und der Wortbestandteil „Standard“ suggeriert etwas anderes.

Ein einzelner heller Knotenpunkt links, von dem dünne Linien zu einem nach rechts immer dichter werdenden Netz aus kleineren, blasseren Knoten führen

Gibt es Belege, dass KI-Systeme diese Seiten auswerten?

Das ist die Frage, an der sich das Thema entscheidet, und die Antwort fällt gemischt aus. Es gibt gesicherte Grundlagen, eine einzelne konkrete Messung und deutliche Gegenargumente.

Was gesichert ist

Gesichert ist, dass KI-Systeme Webseiten zur Laufzeit abrufen und dass sie das mit eigenen Crawlern tun. PerplexityBot, OAI-SearchBot, GPTBot und ClaudeBot sind dokumentiert und in Server-Logs nachweisbar. Gesichert ist ebenfalls, dass strukturierte, eindeutige Inhalte leichter maschinell verarbeitbar sind als Fließtext voller Superlative.

Nicht gesichert ist der Schritt dazwischen: dass ein System eine Seite bevorzugt, weil sie dem Grounding-Page-Muster folgt. SISTRIX formuliert das deutlich: Weder Google noch OpenAI haben bestätigt, dass Grounding Pages in ihren Systemen eine besondere Rolle spielen.

Die eine konkrete Messung

Belastbare Zahlen liefert bislang vor allem eine Quelle. Der SEO-Berater Carsten Feller hat auf seiner eigenen Domain eine Grounding Page eingerichtet und anschließend 44 Logdateien aus März und April 2026 ausgewertet.

Crawler

Zugriffe auf die Faktenseite

PerplexityBot

18

Bytespider

5

OAI-SearchBot

2

ClaudeBot

2

GPTBot

1

Daraus folgt: Die Seite wird von KI-Crawlern tatsächlich abgerufen, in überschaubarer, aber messbarer Zahl. Bemerkenswert ist der Vergleichswert aus derselben Auswertung. Die llms.txt derselben Domain verzeichnete im gleichen Zeitraum null Zugriffe durch KI-Crawler, dort waren ausschließlich SEO-Werkzeuge unterwegs.

Parallel stieg die Sichtbarkeit bei markenbezogenen Prompts laut Rankscale von rund 83 Prozent vor dem Start auf 95 Prozent und pendelte sich später bei 98 bis 99 Prozent ein.

Diese Zahl solltest du vorsichtig lesen, und der Autor sagt das selbst: Es handelt sich um eine einzelne Domain, es gab keine Kontrollgruppe, und parallel liefen weitere Maßnahmen wie neue Artikel, interne Verlinkung und überarbeitete Startseitentexte. Ein Teil der Verbesserung war zudem schon im Februar sichtbar, also vor dem Start der Seite im März. Der Autor schreibt dazu ausdrücklich, dies sei kein Kausalnachweis. Diese Offenheit macht die Auswertung glaubwürdiger als jede Erfolgsmeldung ohne Einschränkung.

Was dagegen spricht

Die schärfste Gegenposition kommt von Kai Spriestersbach. Sein Argument setzt an zwei Voraussetzungen an, die beide erfüllt sein müssten, damit eine Grounding Page wirkt.

Erstens muss das System die Seite überhaupt abrufen. Bei bekannten Marken antworten Sprachmodelle häufig aus dem Trainingswissen, ohne zu suchen. Bei unbekannten Marken löst die Anfrage oft gar keine Suche aus. Zweitens müsste das System die Seite anderen Quellen vorziehen. Abrufsysteme sortieren aber nach semantischer Relevanz und Autorität, nicht nach Seitentyp. Ein Wikipedia-Eintrag kann genauso gut oder besser abschneiden.

Dazu kommt ein Punkt, der für die Praxis am schwersten wiegt: Sprachmodelle gewichten Drittquellen in der Regel stärker als Selbstaussagen. Presseberichte, Branchenverzeichnisse und Wikipedia zählen mehr als die eigene Seite, egal wie sauber diese strukturiert ist. Spriestersbach räumt allerdings ein, dass eine saubere, gut verlinkte Faktenseite einem Sprachmodell besser bekommt als eine mit Superlativen überladene Marketingseite.

Ein zweites Risiko benennt der britische Blog Grumpy Old SEO: Eine reine Faktenseite mit veralteten Angaben wird zur besonders sauberen Quelle für eine falsche Antwort. Wer so eine Seite anlegt und dann liegen lässt, verschlimmert sein Problem.

Wie du eine Grounding Page aufbaust

Der Standard macht konkrete Vorgaben. Sie sind auch dann brauchbar, wenn du dem Konzept skeptisch gegenüberstehst, weil sie schlicht gute Regeln für faktische Texte sind.

Drei Kernelemente verlangt der Standard auf jeder Seite: eine stabile Definition, die in einem Satz sagt, was die Entität ist. Eine Abgrenzung, die sagt, was sie nicht ist. Und eine gleichbleibende Struktur über alle Seiten hinweg.

Sprachlich gelten zwei harte Regeln: keine Adjektive, und ein Fakt pro Satz. Das klingt streng, sorgt aber dafür, dass jede Aussage einzeln zitierbar wird.

Im HTML sieht das Muster so aus: Die h1 enthält ausschließlich den Namen der Entität. Darunter folgt ein Definitionsabsatz. Die h2-Überschriften nehmen den Namen der Entität mit auf, also etwa Homepage Helden: Kerndaten. Die Fakten selbst stehen in Definitionslisten, also dl mit dt für das Merkmal und dd für den Wert.

Als strukturierte Daten gehört ein JSON-LD-Block in die Seite, der den sichtbaren Text spiegelt. Der Typ muss zur Entität passen, also Organization, Product oder Person statt eines allgemeinen WebPage. Angaben, die im JSON-LD stehen, müssen auch sichtbar auf der Seite stehen.

Bei Ablage und Verlinkung empfiehlt der Standard eine eigene URL wie /fakten/ und einen dauerhaften Link im Footer oder Impressumsbereich. Mehrsprachige Fassungen werden über hreflang samt x-default verbunden.

Zeitstempel sind Pflicht: sichtbar angegeben, wann die Seite erstellt, geändert und zuletzt geprüft wurde. Der Standard nennt einen Prüfzyklus von drei bis sechs Monaten und benennt Anlässe für eine sofortige Prüfung, etwa Namensänderungen, neue Standorte, Wechsel in der Geschäftsführung oder eingestellte Produkte.

Zweispaltiges Raster aus hellblauen Merkmals- und türkisen Wertbalken wie eine Definitionsliste, darunter geschweifte Klammern als Andeutung strukturierter Daten

Der Prompt für deinen KI-Chat

Den Inhalt für eine Grounding Page kannst du dir vorbereiten lassen. Wichtig ist dabei nur eines: Das Modell darf keine Fakten erfinden. Der folgende Prompt ist deshalb so gebaut, dass er bei fehlenden Angaben nachfragt und Unsicheres markiert, statt die Lücke plausibel zu füllen. Kopiere ihn in ChatGPT, Claude oder Gemini und hänge deine eigenen Angaben unten an.

Du bist Redakteur für maschinenlesbare Unternehmensfakten. Erstelle den Inhalt für eine Grounding Page nach dem Grounding Page Standard.
Die Spezifikation des Standards steht hier: https://groundingpage.com/spec/

Regeln:
1. Nur überprüfbare Fakten. Keine Adjektive, keine Werbesprache, keine Superlative.
2. Ein Fakt pro Satz.
3. Wenn dir eine Angabe fehlt, frage nach. Erfinde nichts.
4. Markiere jede Angabe, bei der du unsicher bist, mit [PRUEFEN].

Liefere diese Bloecke:
1. Definition: ein Satz, was die Entitaet ist.
2. Abgrenzung: ein bis zwei Saetze, was sie nicht ist und womit sie verwechselt wird.
3. Kerndaten als Definitionsliste: Rechtsform, Gruendungsjahr, Sitz, Mitarbeiterzahl, Branche, Website, Handelsregisternummer.
4. Leistungen oder Produkte: je ein Satz pro Position.
5. Historie: die wichtigsten Stationen mit Jahreszahl.
6. Haeufige Fragen: fuenf Fragen mit je einer Antwort in maximal drei Saetzen.
7. Belege: welche Drittquellen diese Fakten bestaetigen koennen.
8. JSON-LD nach schema.org, Typ Organization, das die sichtbaren Angaben spiegelt.

Meine Angaben:
[HIER DEINE FAKTEN EINFUEGEN]

Das Ergebnis ist ein Entwurf, den du prüfen musst. Punkt 7 ist der wichtigste Teil: Er zwingt dich, für jede Aussage eine unabhängige Quelle zu benennen. Genau daran entscheidet sich nach allem, was wir wissen, ob ein KI-System die Angabe später übernimmt.

Für wen sich der Aufwand lohnt

Eine Grounding Page bringt am meisten, wenn dein Problem ein Faktenproblem ist. Aus unserer Arbeit an Websites für mittelständische Unternehmen sehen wir vier Situationen, in denen sich das klar rechnet.

Verwechslungsgefahr beim Namen. Wenn dein Firmenname mehrfach vergeben ist oder einem bekannteren Begriff ähnelt, ist die Abgrenzung der eigentliche Gewinn. Der Satz „Wir sind nicht das Unternehmen X aus Y“ leistet hier mehr als jede Selbstbeschreibung.

Nach einem Rebrand, einer Fusion oder einem Umzug. Im Netz stehen dann jahrelang die alten Angaben. Eine gepflegte Faktenseite mit sichtbarem Prüfdatum gibt dir eine Stelle, auf die du intern und extern verweisen kannst.

Bei erklärungsbedürftigen Produkten. Technische Produkte mit Varianten, Versionen und Kompatibilitätsfragen profitieren davon, dass jede Eigenschaft als einzelner, zitierbarer Fakt vorliegt.

Wenn intern niemand die Über-uns-Seite faktisch halten kann. Das ist der ehrlichste Anwendungsfall. Eine als Faktenseite deklarierte Seite lässt sich leichter gegen Marketingwünsche verteidigen als eine Unternehmensseite.

Wenig bringt sie dagegen, wenn über dich ohnehin kaum jemand schreibt. Wenn es keine Presseberichte, keinen Wikipedia-Eintrag und keine Branchenverzeichnisse gibt, fehlt den Systemen die Bestätigung durch Dritte, und die wiegt schwerer als deine eigene Seite. In dem Fall ist Pressearbeit die wirksamere Investition. Wie KI-Systeme Quellen auswählen, haben wir im Artikel zu Generative Engine Optimization ausführlicher beschrieben.

Fazit

Die Grounding Page ist eine Konvention. Sie fasst zusammen, was eine gute Faktenseite ohnehin ausmacht, und gibt dem Ganzen einen Namen samt Prüfliste. Der Name ist gleichzeitig ihr größtes Problem, weil das Wort „Standard“ eine Verbindlichkeit behauptet, die es ohne Gremium und ohne Bestätigung der KI-Anbieter nicht gibt.

Unsere Empfehlung fällt deshalb pragmatisch aus. Bau die Faktenseite, aber bau sie als Erweiterung deines Über-uns- und Impressumsbereichs, nicht als separates Projekt mit eigener Zeremonie. Halte dich an die Regeln des Standards, weil sie gut sind: ein Fakt pro Satz, keine Adjektive, sichtbares Prüfdatum, JSON-LD, das den sichtbaren Text spiegelt. Und setze dir eine Erinnerung für die Prüfung alle drei bis sechs Monate.

Erwarte davon keinen Sprung in der Sichtbarkeit. Den größten Hebel hast du weiterhin dort, wo andere über dich schreiben.

Richard Albrecht - Geschäftsführer & Co-Founder der Homepage Helden

Über den Autor

Richard Albrecht bringt jahrelange Erfahrung im Webdesign und Online-Marketing mit. Als Mitgründer der Webdesign-Agentur Homepage Helden hat er gemeinsam mit seinem Team über 2500 Projekte umgesetzt und unterstützt Unternehmen bei der Optimierung ihrer digitalen Auftritte. In seinem Blog teilt er praxisnahe Einblicke in Themen wie SEO, Webdesign und Online-Marketing. Seit über 19 Jahren tritt Richard als Fachdozent und Speaker auf und berät Unternehmen in Bezug auf ihr Online Marketing, wodurch seine Artikel immer gut fundiert sind und direkt aus der Praxis kommen.