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Tree Testing

Männliche Person, frontal, schaut in die Kamera; trägt kariertes Hemd über dunkelfarbigem T‑Shirt; heller Innenraum mit unscharfem Monitor oder Poster links und Fenster rechts.

von Richard Albrecht am 24.09.2026

Tree Testing ist ein Prüfverfahren, bei dem Teilnehmer in einer reinen Menühierarchie ohne Gestaltung nach vorgegebenen Inhalten suchen. Sie sehen ausschließlich Kategorien und Unterkategorien als aufklappbare Liste und klicken sich zu der Stelle, an der sie den gesuchten Inhalt erwarten. Weil Gestaltung, Suchfunktion und Inhalte fehlen, misst der Test allein die Gliederung und ihre Benennung. Vorzubereiten sind nur zwei Dinge: der Baum und die Aufgaben.

Tree Testing

Prüfverfahren, bei dem Teilnehmer in einer reinen Menühierarchie ohne Gestaltung nach vorgegebenen Inhalten suchen.
Beispiel: „Im Tree Testing suchten fast alle Teilnehmer die Ersatzteile im Bereich Produkte.“

Auch: Reverse Card Sorting, weil der Ablauf die Richtung des Card Sortings umkehrt. Im Projektalltag ist die kurze Form Tree Test gebräuchlicher.

Gegenbegriff: Der Usability-Test prüft eine gestaltete Oberfläche samt Inhalten. Das Tree Testing blendet alles aus, was über die Struktur hinausgeht, und beantwortet dafür eine einzige Frage sehr genau.

So läuft ein Tree Test ab

Der Baum ist die vollständige Hierarchie der Navigation, ausgearbeitet bis zu der Ebene, auf der die gesuchten Inhalte liegen. Die Aufgaben beschreiben ein Ziel in der Sprache der Nutzer, ohne die Wörter aus dem Menü zu verwenden. „Du willst wissen, wie lange die Lieferung dauert“ prüft etwas. „Finde die Versandinformationen“ verrät die Antwort schon in der Aufgabe. Der Test läuft unmoderiert und aus der Ferne und bleibt dadurch auch mit fünfzig Teilnehmern bezahlbar.

Eine dreistufige Menühierarchie ohne Gestaltung. Eine Linie zeigt den Weg eines Teilnehmers, der zunächst in einen falschen Ast abbiegt, zurückgeht und dann das Ziel erreicht.
Ausgewertet wird nicht nur, ob das Ziel gefunden wurde, sondern auch, wo abgebogen wurde.

Card Sorting und Tree Testing im Vergleich

Merkmal

Card Sorting

Tree Testing

Frage

Wie würden Menschen die Inhalte gruppieren?

Finden Menschen einen Inhalt in der geplanten Gliederung?

Zeitpunkt

vor dem Entwurf der Struktur

nach dem Entwurf der Struktur

Material

beschriftete Karten

fertige Hierarchie und Suchaufgaben

Ergebnis

Gruppen und Bezeichnungen aus Nutzersicht

Erfolgsquote und Abbiegepunkte je Aufgabe

Daraus folgt die Reihenfolge im Projekt: Card Sorting bringt eine Gliederung zustande, Tree Testing entscheidet, ob sie bleibt. Beide Verfahren brauchen kein fertiges Design und gehören deshalb in die Konzeptphase, lange vor dem ersten Wireframe.

Was die Ergebnisse zeigen

Die wichtigste Zahl ist die Erfolgsquote je Aufgabe, also der Anteil der Teilnehmer, die an der richtigen Stelle landen. Daneben steht die Direktheit: Wie viele haben den Weg ohne Umwege gefunden? Aufschlussreich sind die Pfade. Eine Aufgabe, die viele erst im falschen Zweig suchen und dann doch lösen, deutet auf eine missverständliche Bezeichnung. Verteilen sich die Teilnehmer dagegen über mehrere Zweige, wird der Inhalt an mehreren Stellen erwartet; dann hilft ein zweiter Zugang im Menü oder ein Querverweis mehr als eine neue Bezeichnung.

Siehe auch:

Card Sorting

Erhebungsmethode, bei der Teilnehmer beschriftete Karten zu Gruppen ordnen und diese Gruppen selbst benennen.

#Benutzererfahrung (UX)

Informationsarchitektur

Die Disziplin, die Inhalte ordnet, benennt und in Beziehung setzt, damit Menschen finden, was sie suchen.

#Benutzererfahrung (UX)

Usability-Test

Prüfverfahren, bei dem echte Nutzer echte Aufgaben an einer Oberfläche erledigen, während jemand beobachtet und mitschreibt.

#Benutzererfahrung (UX)

Task Success Rate

Anteil der Testpersonen, die eine vorgegebene Aufgabe zu Ende bringen, gemessen an allen, die es versucht haben.

#Benutzererfahrung (UX)