KI-Governance bezeichnet die Regeln, Zuständigkeiten und Abläufe, mit denen ein Unternehmen seinen KI-Einsatz steuert. Sie beantwortet die Frage, wer entscheidet, wer prüft und wer verantwortet, und sie unterscheidet sich darin von einer Richtlinie, die nur Regeln aufschreibt.
- KI-Governance
Die Regeln und Zuständigkeiten, mit denen ein Unternehmen seinen KI-Einsatz steuert.
Beispiel: „Die KI-Governance besteht bei uns aus drei Seiten und einer benannten Person.“Was dazugehört: ein Verzeichnis der eingesetzten Systeme, eine Freigabe für neue Werkzeuge, eine Einstufung nach Risiko, festgelegte Prüfpunkte vor dem Start und ein Weg für Meldungen, wenn etwas schiefläuft.
Abgrenzung zur KI-Richtlinie: Die ist ein Teil davon, nämlich der aufgeschriebene. Governance umfasst zusätzlich die Zuständigkeiten und den Ablauf, also wer die Richtlinie anwendet und wer sie ändert.
Wie viel davon im Mittelstand nötig ist
Weniger, als Beratungsangebote nahelegen, und mehr als null. Ein Betrieb mit dreißig Beschäftigten braucht kein Gremium und keine Rahmenwerke, sondern ein Verzeichnis der benutzten Werkzeuge, eine Person, die über neue entscheidet, und eine Seite mit Regeln. Das lässt sich an einem Vormittag aufsetzen und erfüllt zugleich die Pflicht zur KI-Kompetenz.
Was die Verordnung vorgibt
Für gewöhnliche Anwendungen wenig: die KI-Kompetenz der Beschäftigten und die Transparenzpflichten. Für Hochrisiko-Systeme dagegen einen vollständigen Satz an Pflichten, von der Dokumentation bis zur Konformitätsbewertung. Die erste Aufgabe jeder Governance ist deshalb die Einstufung: zu wissen, in welcher der beiden Welten man sich befindet. Diese Einstufung gehört dokumentiert, auch wenn sie negativ ausfällt, weil sonst bei jeder Nachfrage von vorn geprüft wird.
Woran sie im Alltag scheitert
An Regeln ohne Zuständigkeit. Eine Richtlinie ohne eine Person, die Fragen beantwortet und neue Werkzeuge freigibt, wird nach wenigen Wochen umgangen, weil niemand weiß, wen er fragen soll. Der wirksamste einzelne Schritt ist deshalb kein Dokument, sondern ein Name und eine Mailadresse, an die sich Leute wenden können. Der zweite ist eine zügige Antwort: Wer zwei Wochen auf eine Freigabe wartet, benutzt das Werkzeug inzwischen über ein privates Konto.