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Jakobs Gesetz

oder auch Jakob’s Law

Männliche Person, frontal, schaut in die Kamera; trägt kariertes Hemd über dunkelfarbigem T‑Shirt; heller Innenraum mit unscharfem Monitor oder Poster links und Fenster rechts.

von Richard Albrecht am 24.09.2026

Jakobs Gesetz besagt, dass Besucher die meiste Zeit auf anderen Websites verbringen und deshalb erwarten, dass deine Seite so funktioniert wie die, die sie schon kennen. Jakob Nielsen formulierte den Satz im Juli 2000 in seinem Beitrag „End of Web Design“. Er stammt aus seiner Beratungspraxis und aus vielen Usability-Tests. Ein einzelnes Experiment mit Messwerten steht dahinter nicht.

Jakobs Gesetz

Besucher verbringen die meiste Zeit auf anderen Websites und erwarten deshalb deren Bedienmuster auch bei dir.
Beispiel: „Das Logo bleibt oben links und führt zur Startseite, weil Besucher das von jeder anderen Website kennen.“

Auch: Jakob’s Law, benannt nach Jakob Nielsen. Grundlage ist eine Beobachtung aus der Nutzerforschung, keine einzelne Messreihe.

Abgrenzung: Nielsens 10 Usability-Heuristiken sind eine Liste von Prüfkriterien. Jakobs Gesetz ist eine einzelne Aussage über Erwartungen, die Besucher von außen mitbringen.

Eine Beobachtung, die als Gesetz firmiert

Fitts und Hick messen Zeiten im Labor und liefern eine Formel. Jakobs Gesetz gehört in eine andere Kategorie: Es fasst zusammen, was Nielsen in Usability-Tests wieder und wieder gesehen hat. Das macht den Satz nicht falsch, begrenzt aber, was du damit begründen kannst.

Als Argument gegen eine ungewöhnliche Idee trägt er nur, wenn du die Erwartung benennen kannst, gegen die sie verstößt. „Das macht man so“ ist keine Begründung, „Besucher suchen die Suche oben rechts, weil sie dort bei jedem Shop steht“ ist eine.

Was Besucher als bekannt voraussetzen

Die Muster, die Besucher mitbringen, stammen von den Websites mit der größten Reichweite. Dazu gehören das Logo oben links mit Link zur Startseite, der Warenkorb oben rechts und die drei Striche für das Menü auf dem Telefon. Auch Verhalten gehört dazu: Wer auf einen unterstrichenen Text klickt, erwartet einen Link.

Nielsen nennt als Beispiel das mittig gesetzte Logo. Besucher scheitern damit deutlich häufiger daran, zur Startseite zurückzufinden. In unseren Projekten fallen solche Abweichungen im Test regelmäßig auf, auch wenn sie gestalterisch die reizvollere Lösung sind.

Wann Abweichung sich lohnt

Abweichen lohnt dort, wo die neue Lösung eine Aufgabe erkennbar schneller erledigt und wo du das im Test prüfst. Bei unseren Relaunches liegt dieser Ort meistens im Inhalt: in der Bildsprache, in einem Konfigurator, der den Weg zum Angebot verkürzt, oder in einer Vergleichstabelle, die es woanders nicht gibt.

Bei Bedienmustern selbst ist der Preis höher, als er zunächst aussieht. Ein selbst gebautes Auswahlfeld oder eine umgebaute Scrollmechanik verlangt von jedem Besucher Lernarbeit für eine Aufgabe, die er auf zwanzig anderen Websites ohne Nachdenken erledigt.

Siehe auch:

Konsistenz im Interface

Das Prinzip, gleiche Dinge in einer Oberfläche gleich zu benennen, gleich zu gestalten und gleich reagieren zu lassen.

#Benutzererfahrung (UX)

Mentales Modell

Die Vorstellung, die ein Mensch davon hat, wie etwas funktioniert, und aus der er seine Erwartungen ableitet.

#Benutzererfahrung (UX)

Design Patterns

Erprobte Lösungen für wiederkehrende Gestaltungsaufgaben in der Benutzeroberfläche, etwa Akkordeon oder Brotkrumennavigation.

#Webdesign-Grundlagen

Nielsens 10 Usability-Heuristiken

Zehn allgemeine Regeln für die Gestaltung von Benutzeroberflächen, die Jakob Nielsen 1994 in ihrer heutigen Form veröffentlicht hat.

#Benutzererfahrung (UX)