Ein Expertensystem ist ein KI-System, das aus von Hand geschriebenen Regeln schließt statt aus Daten zu lernen. Es war die vorherrschende Form künstlicher Intelligenz in den 1970er und 1980er Jahren und ist der Gegenentwurf zum heutigen Machine Learning.
- Expertensystem (Expert System)
Ein KI-System, das aus von Hand geschriebenen Regeln schließt statt aus Daten zu lernen.
Beispiel: „Das Expertensystem begründete jede Empfehlung mit der Regel, die sie ausgelöst hatte.“Zwei Bestandteile: eine Wissensbasis mit Regeln der Form „wenn das, dann jenes“ und ein Schlussfolgerer, der diese Regeln auf einen Fall anwendet.
Der Vorteil ist die Nachvollziehbarkeit. Das System kann jederzeit sagen, welche Regel zu welchem Ergebnis geführt hat; ein gelerntes Modell kann das nicht.
Warum der Ansatz gescheitert ist
An der Pflege. Jede Regel muss von Fachleuten formuliert werden, und ab einigen hundert Regeln widersprechen sie sich auf Weisen, die niemand überblickt. Dazu kommt das Unausgesprochene: Fachleute können nicht in Regeln fassen, was sie nach Jahren im Blick haben, und genau dieser Teil fehlt dann. Die Förderung dieser Systeme brach Ende der 1980er ein, und die Zeit danach heißt in der Fachgeschichte der zweite KI-Winter.
Wo der Ansatz bis heute die bessere Wahl ist
Bei Regeln, die ohnehin geschrieben sind. Steuerrecht, Versandkosten, Rabattstaffeln, Zulässigkeitsprüfungen: Dort gibt es eine verbindliche Vorschrift, und ein gelerntes Modell wäre die schlechtere Lösung, weil es sie nur annähert. Eine Prüfung mit klaren Regeln ist dort richtig, nachvollziehbar und kostet nichts im Betrieb.
Was davon in KI-Anwendungen zurückgekommen ist
Die Regel als Sicherung um das Modell herum. In einer heutigen Anwendung entscheidet das Modell und eine Regel verhindert das Unzulässige: kein Rabatt über zwanzig Prozent, keine Zusage zu Lieferfristen, keine Antwort ohne Quelle. Dieses Zusammenspiel ist der praktische Weg, Beweglichkeit mit Verbindlichkeit zu verbinden.
Wie man beides verbindet
Das Modell für die Sprache, die Regel für die Zahlen. Ein Sprachmodell nimmt die Anfrage auf und holt die nötigen Angaben heraus, eine klassische Berechnung liefert das Ergebnis, und das Modell formuliert die Antwort. Alles, was in Euro oder in einer Frist endet, gehört dabei in den Code und nicht ins Modell.