Die Daumenzone ist der Bereich eines Telefondisplays, den der Daumen der haltenden Hand ohne Umgreifen erreicht. Sie bildet einen flachen Bogen über der unteren Bildschirmhälfte und wandert mit der Hand: Wer links hält, erreicht die rechte obere Ecke am schlechtesten. Der Begriff beschreibt eine Ergonomie und keine Maßangabe, denn Displaygröße, Handgröße und Haltung verschieben das Ergebnis.
- Daumenzone (Thumb Zone)
Der Bereich eines Telefondisplays, den der Daumen bei einhändiger Bedienung ohne Umgreifen bequem erreicht.
Beispiel: „Den Absenden-Knopf legen wir auf dem Telefon in die Daumenzone, das Löschen bewusst darüber.“Auch: Thumb Zone. Englische Quellen zeigen die Abstufungen meist als grün-gelb-rote Grafik über einem Telefonumriss.
Abgrenzung: Die Daumenzone sagt, wo ein Element gut erreichbar ist. Wie groß seine Trefferfläche sein muss, regelt die Touch-Zielgröße.
Die Daumenzone stammt aus einer Beobachtungsstudie
Steven Hoober hat 2013 bei UXmatters die Auswertung von 1.333 Beobachtungen veröffentlicht: Menschen, die ihr Telefon im Alltag benutzten. Er unterschied drei Haltungen, nämlich einhändig, in beiden Händen gewiegt und beidhändig mit zwei Daumen. Knapp die Hälfte der beobachteten Personen bediente das Gerät einhändig. Aus den Reichweiten dieser Haltungen entstanden die farbigen Karten, die heute jede Präsentation zum Thema zeigt. Den Namen „Thumb Zone“ trägt Hoobers Artikel selbst nicht, der hat sich erst danach in der Fachliteratur durchgesetzt.
Hoober hat seine Ergebnisse 2017 in einer dreiteiligen Serie nachgeschärft und ausdrücklich davor gewarnt, die alten Grafiken als feste Regel zu lesen. Wir behandeln die Daumenzone deshalb als Richtungsangabe: unten gut erreichbar, oben schlecht.
Große Displays haben die Zone verschoben
Je größer das Gerät, desto kleiner ist der Anteil der Fläche, der ohne Umgreifen erreichbar bleibt. Auf einem Telefon mit 6,7 Zoll liegt der obere Rand bei einhändiger Bedienung außerhalb der Reichweite, und die der Haltehand gegenüberliegende obere Ecke ist der schlechteste Platz des ganzen Displays. Genau dort sitzt bei den meisten Websites das Burger-Menü.
Die Konvention gewinnt an dieser Stelle trotzdem. Besucher suchen das Menü oben, weil sie es überall oben finden. Unsere Lösung in laufenden Projekten: Der Griff bleibt oben, die geöffnete Navigation legt ihre Schaltflächen wieder in die untere Hälfte.
Was daraus für das Layout folgt
Die Platzierung ergibt sich aus der Häufigkeit. Was ein Besucher am häufigsten antippt, gehört nach unten: der Absenden-Knopf eines Formulars, der Warenkorb-Knopf auf einer Produktseite. Aus diesem Grund haben sich Bottom Sheets und untere Aktionsleisten auf Telefonen verbreitet.
Für zwei Fälle gilt das Gegenteil. Aktionen, die etwas endgültig entfernen, setzen wir bewusst außerhalb der bequemen Zone oder hinter eine Rückfrage, weil der Daumen dort auch unabsichtlich landet. Und alles, was am unteren Rand klebt, braucht zusätzliche Polsterung für die Safe Area, sonst rutscht es unter den Home-Indikator.