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AI Overviews: was Googles KI-Antwort kostet

von Nico Tjarks am 27.10.2026

Lesedauer: 10 Minuten
SEO GEO KI Google
Ein Mann lehnt sich an seinem Schreibtisch zurück und sieht stirnrunzelnd auf zwei Bildschirme mit Auswertungen, durch das Fenster dahinter die Elbphilharmonie und Hafenkräne. KI-generiertes Bild.

In Kürze: AI Overviews sind von Google erzeugte Antworttexte oberhalb der klassischen Trefferliste, die einzelne Websites als Quellen verlinken. In Deutschland erscheinen sie laut SISTRIX bei etwas über 20 Prozent der Keywords, die Klickrate auf Position 1 sinkt dabei von 27 auf 11 Prozent. Ob deine Seite darin vorkommt, zeigt der Generative-AI-Bericht in der Google Search Console.

Du stehst auf Position 1, die Impressionen in der Google Search Console steigen, und die Klicks gehen trotzdem zurück. Für den französischen Markt hat Ahrefs genau diesen Fall dokumentiert: eine Domain mit 183 Prozent mehr Impressionen und 1,9 Prozent weniger Klicks im selben Zeitraum.

AI Overviews sind der Grund, warum Sichtbarkeit und Traffic auseinanderlaufen. Google beantwortet die Frage selbst, nennt Quellen und macht den Klick optional. Wie stark das wirkt, hängt vor allem von der Branche ab und unterscheidet sich stark von Markt zu Markt. Stand Oktober 2026 gibt es dazu belastbare Zahlen: für Deutschland von SISTRIX, für Frankreich und die USA von Ahrefs.

Die wichtigsten davon stehen hier, zusammen mit dem Weg, auf dem du für deine eigene Seite nachsehen kannst, ob du in AI Overviews auftauchst.

Wie eine AI Overview aufgebaut ist

Eine AI Overview ist ein von Google generierter Antworttext über den organischen Treffern, der einzelne Websites als Quellen verlinkt. Der Block besteht aus einer Zusammenfassung in wenigen Sätzen, oft ergänzt um eine Liste oder eine kleine Tabelle, und daneben oder darunter stehen die Quellen, aus denen Google die Antwort zusammengesetzt hat. Ausklappbar, erweiterbar, mit Folgefragen darunter.

Beispiel einer AI Overview auf Google

Beispiel einer AI Overview auf Google bei der Recherche für eine Web-Agentur

Die Position ist in der Praxis fast immer die erste. Ahrefs hat 100 reine Markennamen-Suchen auf US-Desktop über 14 Messpunkte verfolgt. Am 30. September 2026 zeigten 63 dieser 100 Suchen eine AI Overview, und davon standen 48 an Position 1, bei einer Durchschnittsposition von 1,49 (Ahrefs, 2. Oktober 2026). Der erste Inhalt, den jemand zu einer Marke sieht, ist damit zunehmend ein Text von Google.

Auf Google wurden AI Overview circa 79% der Fälle auf Platz 1 eingeblendet

Auf Google wurden AI Overview Anfang 2026 in circa 79% der Fälle auf Platz 1 eingeblendet (also vor allen anderen Ergebnissen)

Wichtiger als der Aufbau ist die Frage, woher Google die Bausteine nimmt. In derselben Untersuchung war Wikipedia in 41 von 57 auswertbaren Quellenlisten vertreten, also in 71,9 Prozent, YouTube in 22 Listen (38,6 Prozent) und LinkedIn in 13 (22,8 Prozent). Deine Website konkurriert in diesem Block also mit Plattformprofilen, die über dich schreiben.

Bei welchen Suchanfragen erscheinen AI Overviews?

In Deutschland spielt Google AI Overviews bei etwas über 20 Prozent der Keywords aus. Die Zahl stammt aus einer SISTRIX-Auswertung von über 100 Millionen Keywords, zuletzt aktualisiert am 13. Oktober 2026. Das Wachstum stagniert nach dieser Auswertung seit einigen Monaten, der Anteil bewegt sich also nicht mehr jeden Monat nach oben.

Die US-Werte liegen erheblich höher und taugen nicht als Maßstab für den deutschen Markt. Ahrefs hat 232,8 Millionen US-Desktop-Suchergebnisse von Juli bis September 2026 ausgewertet. Bei Keywords ohne Markenbezug stieg der Anteil mit AI Overview von 73,5 Prozent im Juli auf 78,3 Prozent im September. Bei Markensuchen kletterte er im gleichen Zeitraum von 61,3 auf 73,3 Prozent, und am Stichtag 29. September 2026 zeigten 82,91 Prozent der US-Desktop-Ergebnisse für Markenkeywords eine AI Overview.

Der Abstand zwischen Markensuchen und dem Rest ist dabei von 12,2 Prozentpunkten im Juli auf 5 Punkte im September geschrumpft. Daraus folgt eine unangenehme Konsequenz: Die Suche nach deinem Firmennamen ist kein geschützter Raum mehr. Google fasst dort zusammen, bevor jemand deine Startseite sieht.

Die Ausspielung von AI Overviews pendelt sich bei circa 20% aller Suchanfragen ein

Die Ausspielung von AI Overviews pendelt sich bei circa 20% aller Suchanfragen ein

Was AI Overviews an Klicks kosten

Auf Position 1 fällt die Klickrate in Deutschland von 27 auf 11 Prozent, wenn eine AI Overview erscheint. Das sind knapp 60 Prozent weniger Klicks auf der Spitzenposition. Über alle Keywords gerechnet liegt der Verlust laut SISTRIX bei 6,6 Prozent, in Summe bei rund 265 Millionen organischen Klicks pro Monat allein für Deutschland.

Diese Zahl ist die lauteste in der deutschen Debatte und sie hat eine Schwäche. SISTRIX nennt keinen Untersuchungszeitraum, und Google hat die Methodik öffentlich kritisiert. Wir halten die Richtung für belegt und die Nachkommastelle für eine Schätzung.

Schärfer gemessen ist der französische Markt, weil AI Overviews dort erst am 22. Juli 2026 gestartet sind. Ahrefs hat dafür 963 französische Domains über aggregierte Search-Console-Daten verglichen: 28 Tage vor dem Start gegen die 9 Tage danach. Bei den stark betroffenen Domains, bei denen über 20 Prozent der Suchanfragen eine AI Overview auslösen, fiel die Klickrate um 23,1 Prozent, im Median von 2,29 auf 1,76 Prozent (Ahrefs, 16. September 2026). 82,2 Prozent dieser Domains verloren Klickrate. In der Kontrollgruppe mit unter 2 Prozent Betroffenheit stieg die Klickrate im selben Zeitraum um 2,3 Prozent.

Dazwischen verläuft die Kurve fast linear. Jeder zusätzliche Prozentpunkt Betroffenheit kostet nach dieser Auswertung etwa einen Prozentpunkt Klickrate. Im Gesundheitsbereich lagen beide Werte dicht beieinander: 22,2 Prozent der Suchanfragen mit AI Overview, 20,4 Prozent Klickratenverlust. Französische .fr-Domains verloren im Median 12,3 Prozent ihrer Klicks, der Gesamtpanel 8,8 Prozent.

Für die eigene Auswertung ist ein Detail wichtiger als jeder Prozentwert: Impressionen und Klicks laufen auseinander. Der oben genannte Extremfall mit 183 Prozent mehr Impressionen und 1,9 Prozent weniger Klicks ist das Muster in Reinform. Wer nur auf Sichtbarkeit schaut, sieht Wachstum, während im Geschäft nichts ankommt.

Klickverluste durch AI-Overviews nach Branchen

Klickverluste durch AI-Overviews nach Branchen / Kategorien

Wen es trifft und wen kaum

Die Spannweite zwischen Branchen ist größer als jeder Durchschnittswert. SISTRIX gibt den Klickverlust je Branche mit 1 Prozent bis über 24 Prozent an. Wer Rezepte, Wissensfragen oder Erklärinhalte anbietet, steht am Rand des Lochs. Wer verkauft, bucht oder Termine vergibt, merkt bisher wenig, weil Google bei Kaufabsicht zurückhaltender generiert.

Bei Markensuchen zeigt sich ein eigenes Muster, das viele unterschätzen. Von 58 vollständig ausgewerteten Antworten auf reine Markennamen sprachen nur zwei über Wettbewerber, also 3,4 Prozent, und über alle 57 Quellenlisten tauchte genau eine bestätigte Wettbewerber-Website auf. Google schiebt dir also keine Konkurrenz in die Markensuche. Google formuliert aber die erste Beschreibung deines Unternehmens selbst, auf Basis von Wikipedia, LinkedIn und YouTube.

Für kleine und mittlere Anbieter heißt das zweierlei. Der Schaden sitzt in den informationsgetriebenen Inhalten, also im Blog und in den Ratgeberseiten. Der Kontrollverlust sitzt bei der Marke, weil dort eine Zusammenfassung über dich steht, die du nicht geschrieben hast.

Warum du ranken kannst, ohne in der AI Overview vorzukommen

Ranking und Zitierung sind zwei getrennte Auswahlvorgänge. Go Fish Digital nennt das am 16. Oktober 2026 die Ranking-Citation-Gap: Eine Seite kann für ihre Kernbegriffe auf Position 1 bis 3 stehen und in den generierten Antworten trotzdem fehlen. Als Ursachen nennt die Agentur Inhalte, die keine direkte Antwort enthalten, schwache Entitäten-Signale, fehlende Bestätigung durch Dritte sowie technische Hürden wie blockierte AI-Crawler oder Inhalte, die erst per JavaScript entstehen.

Der Grund dahinter liegt in der Auswahlebene. Google zieht einzelne Passagen heraus und bewertet sie für sich. Ein Abschnitt, der bei dir 1.500 Wörter weit unten steht, kann als Passage gewinnen, und dein starker Einstieg kann durchfallen, weil er die Frage nicht in zwei Sätzen beantwortet. Wie man darauf insgesamt antwortet, behandeln wir im Artikel zu Generative Engine Optimization.

Dass die Entwicklung weiterläuft, zeigt eine Arbeit aus Google Research, die Mike King am 15. Oktober 2026 ausgewertet hat. Im Paper „Generative UI“ baut ein Modell komplette Seiten zur Suchanfrage, mit HTML, CSS und JavaScript. In den Tests wurden diese generierten Seiten in 90 Prozent der Fälle gegenüber dem bestbewerteten Suchergebnis bevorzugt, bei informationsgetriebenen Anfragen in 73,5 Prozent. Keines der Beispiele im Paper ist eine klassische Ergebnisseite, die Verbindung zur Suche zieht King selbst. Die Richtung ist trotzdem deutlich: Die AI Overview ist der erste Schritt auf diesem Weg, weitere folgen.

Wie du prüfst, ob du in AI Overviews vorkommst

Die Google Search Console hat seit 2026 einen eigenen Bericht für generative KI-Funktionen, der Impressionen aus AI Overviews und AI Mode ausweist. Google beschreibt ihn in der offiziellen Hilfe zum Generative-AI-Bericht: Die Standardansicht zeigt Impressionsdaten, aufschlüsselbar nach Seiten, Ländern, Daten und Geräten, mit einem Filter für textbasierte und multimodale Suche. Klickdaten und Suchanfragen enthält der Bericht nicht. Daten aus Search-Labs-Experimenten sind ausgeschlossen.

Eine Impression zählt dort, wenn ein Link auf deine Seite in einer generativen Funktion gezeigt wurde. Mehrere Treffer derselben Website innerhalb eines Ergebnisses zählen als eine Impression. Parallel gilt: Die KI-Funktionen laufen in die Gesamtzahlen des normalen Leistungsberichts ein, Suchtyp „Web“. Du kannst sie dort also nicht herausrechnen.

Damit lässt sich eine brauchbare Prüfroutine bauen:

  1. Generative-AI-Bericht öffnen und die Seiten ansehen, die Impressionen aus AI Overviews und AI Mode bekommen. Das ist die einzige Liste von Google selbst, die sagt, wo du als Quelle auftauchst.

  2. Impressionen und Klicks gegenüberstellen, Seite für Seite, Zeitraum gegen Vorjahreszeitraum. Steigende Impressionen bei fallenden Klicks sind das Signal, das du suchst.

  3. Zehn bis zwanzig wichtige Suchanfragen von Hand prüfen, mehrmals am Tag und von unterschiedlichen Standorten. Mike King empfiehlt dafür ausdrücklich eine Verteilung über mehrere Messungen statt einer Momentaufnahme, weil die Ergebnisseite kein stabiles Objekt mehr ist.

  4. Nach seltsam kurzen Suchanfragen im Leistungsbericht suchen. Dan Taylor von SALT.agency hat am 7. August 2026 beschrieben, dass Folge-Interaktionen mit Googles KI-Antworten als eigene Suchanfragen im Bericht landen, etwa Zustimmungen, Bitten um Fortsetzung oder Quellenanfragen. Er ordnet sie in sieben Kategorien. Die niedrigen Volumina erklärt er mit Googles anonymisierter Query-Klassifizierung, das ist seine Erklärung und keine Bestätigung von Google.

  5. Externe Tracker gegen die Search Console prüfen. Wenn Impressionen und Klicks stabil bleiben und ein Tool einen Einbruch zeigt, liegt der Fehler zuerst beim Tool.

Dass solche Messungen schwanken, ist belegt. Go Fish Digital hat am 5. Oktober 2026 eine Auswertung von 4.599 ChatGPT-Antworten veröffentlicht, 73 feste Fragen über 63 Tage. In 91,3 Prozent der Tagesvergleiche änderte sich mindestens eine genannte Marke, und in 60 Prozent der Vergleiche fiel mindestens die Hälfte der Nennungen vom Vortag weg. Die Auswertung betrifft ChatGPT in einer Region. Das Prinzip gilt aber für jede generative Antwort: Eine Einzelmessung ist kein Befund.

Wie du den Leistungsbericht sauber liest, Filter setzt und Zeiträume vergleichst, steht im Artikel zur Google Search Console. Die Messung über Google hinaus, also ChatGPT, Perplexity und Gemini, behandeln wir in KI-Sichtbarkeit messen.

Was du jetzt praktisch tun kannst

Die wirksamen Maßnahmen sind unspektakulär, und sie zahlen auf beide Seiten ein: auf das klassische Ranking und auf die Chance, als Quelle zitiert zu werden. Wir empfehlen diese Reihenfolge:

  1. Antwort nach vorn. Jeder Abschnitt beginnt mit zwei Sätzen, die die Frage der Überschrift beantworten, und darin steht eine Zahl, ein Datum oder ein Eigenname. Das ist die Passage, die Google ziehen kann.

  2. Technisch zugänglich bleiben. Inhalte serverseitig ausliefern statt per JavaScript nachladen, Fehlerantworten auf eingebundene Ressourcen abstellen und die Entscheidung über Google-Extended in der robots.txt bewusst treffen statt sie einem Plugin zu überlassen.

  3. Fakten über dich außerhalb der eigenen Seite pflegen. Weil Google bei Markensuchen überwiegend Wikipedia, YouTube und LinkedIn zitiert, entscheidet die Richtigkeit dieser Profile mit, was im Antworttext über dein Unternehmen steht.

  4. Eine Faktenseite anlegen, die Leistungen, Standort, Zahlen und Zuständigkeiten in knappen Aussagesätzen festhält. Wie so eine Grounding Page aufgebaut ist, haben wir separat beschrieben.

  5. Zugriff für KI-Crawler dokumentieren. Ob eine llms.txt dafür das richtige Mittel ist, ist offen, der bewusste Umgang mit den Crawlern ist es nicht.

Wichtig bei allem: Das Ziel verschiebt sich. Früher ging es um den Klick auf Platz 1. Jetzt geht es zusätzlich darum, in der Antwort genannt zu werden, auch wenn daraus kein Klick entsteht. Die Nennung wirkt als Vertrauenssignal, und ein Teil der Leute sucht danach direkt nach deinem Namen. Diesen Effekt siehst du in der Search Console an den Markensuchen.

Fazit

AI Overviews sind in Deutschland bei etwas über 20 Prozent der Keywords Realität, und auf Position 1 kosten sie rund 60 Prozent der Klicks. Das ist belegt, markiert und messbar. Die Panik, die manche daraus ableiten, trägt die Zahlen aber nicht: Die Verluste sitzen konzentriert in informationsgetriebenen Inhalten, während transaktionale Suchen bisher wenig abbekommen.

Der nützlichste nächste Schritt ist der kleinste. Öffne den Generative-AI-Bericht in der Search Console und stelle Impressionen und Klicks deiner zehn wichtigsten Seiten gegenüber. Nach zwanzig Minuten weißt du, ob dich das Thema betrifft, und erst dann lohnt sich die Diskussion darüber, was du daran änderst.

Nico Tjarks, Geschäftsführer und Mitgründer der Homepage Helden, am Laptop im Hamburger Büro

Über den Autor

Nico Tjarks beschäftigt sich seit 2006 mit Websites, digitalen Strategien und modernen Web-Technologien. Als ehemaliger Webdesigner und Webentwickler begleitete er Unternehmen heute bei der Planung, Optimierung und Weiterentwicklung ihrer Online-Präsenz. Seine Schwerpunkte liegen unter anderem in den Bereichen CMS-Systeme, SEO, Datenschutz (DSGVO) und technische Website-Qualität. In Workshops, Beratungen und laufenden Projekten unterstützt er Unternehmen dabei, ihre digitalen Prozesse und Webauftritte langfristig sinnvoll weiterzuentwickeln.