Touch Gesten sind Fingerbewegungen auf einem Touchscreen, die der Browser als Bedienbefehl auswertet: Tippen, langes Drücken, Wischen, Ziehen und das Auf- und Zuziehen mit zwei Fingern. Einen Teil davon hat das Betriebssystem bereits für sich belegt, den Rest kann eine Website nutzen. Wer eine Geste belegt, übernimmt damit die Pflicht, dieselbe Funktion auch ohne sie anzubieten.
- Touch Gesten
Fingerbewegungen auf einem Touchscreen, die der Browser als Bedienbefehl auswertet, vom einfachen Tippen bis zum Wischen mit zwei Fingern.
Beispiel: „Die Galerie lässt sich wischen, und daneben stehen zwei Pfeiltasten für alle, die das nicht tun.“Auch: Touch Gestures. Im Code erscheinen sie als Pointer Events, die Maus, Stift und Finger über dieselbe Schnittstelle abbilden.
Abgrenzung: Der Hover-Zustand hat auf dem Touchscreen keine Entsprechung. Was am Rechner beim Überfahren mit der Maus erscheint, muss auf dem Telefon sichtbar sein oder beim ersten Antippen auftauchen.
Verlässlich bekannt sind nur wenige Gesten
Auf jedem Telefon funktionieren vier Gesten ohne Erklärung: Tippen als Ersatz für den Klick, Wischen zum Scrollen und Blättern, langes Drücken für ein Kontextmenü und das Auf- und Zuziehen mit zwei Fingern zum Vergrößern. Alles darüber hinaus stammt aus einzelnen Apps und wird auf einer Website niemand von allein ausprobieren.
Dazu kommt, dass das Betriebssystem Teile der Fläche beansprucht. Ein Wischen vom linken Displayrand bedeutet unter iOS „zurück“, ein Zug vom unteren Rand schließt die App. Ein Karussell, dessen Griff dort liegt, konkurriert mit dem System und verliert.
Jede Geste braucht einen zweiten Weg
Die WCAG halten das als Anforderung fest. Erfolgskriterium 2.5.1 Pointer Gestures (Stufe A) verlangt, dass jede Funktion mit einer pfadbasierten oder mehrfingrigen Geste auch mit einem einzelnen Zeiger bedienbar ist. Pfadbasiert heißt, dass Richtung und Verlauf der Bewegung zählen, etwa beim Blättern durch eine Galerie; mehrfingrig sind das Auf- und Zuziehen und jedes Tippen mit zwei Fingern. Ausgenommen ist nur, wo die Geste selbst der Zweck ist, etwa bei einer Unterschrift.
In der Praxis heißt das: Neben das Wischkarussell gehören zwei Schaltflächen, neben die Karte mit Zwei-Finger-Zoom zwei Knöpfe für Plus und Minus. Wir bauen diese Alternativen gleich mit ein, weil sie sich nachträglich nur mit Umbau ergänzen lassen.
Sichtbarkeit und Trefferfläche entscheiden
Der häufigste Fehler ist die unsichtbare Geste. Ein Inhalt, der sich seitlich wischen lässt, muss das zeigen, etwa durch einen angeschnittenen nächsten Eintrag am Rand. Ohne diesen Hinweis bleibt der zweite Teil des Inhalts für die meisten Besucher unentdeckt.
Der andere Punkt ist die Trefferfläche. Die WCAG 2.2 setzen in Erfolgskriterium 2.5.8 Target Size (Minimum, Stufe AA) 24 mal 24 CSS-Pixel als Untergrenze an, Apple nennt in den Human Interface Guidelines 44 mal 44 Punkt. Wir arbeiten mit dem größeren Wert, weil ein Daumen ungenauer trifft als ein Mauszeiger.