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False Negative

oder auch Falsch negativ

Männliche Person, frontal, schaut in die Kamera; trägt kariertes Hemd über dunkelfarbigem T‑Shirt; heller Innenraum mit unscharfem Monitor oder Poster links und Fenster rechts.

von Richard Albrecht am 18.10.2026

Ein False Negative, auf Deutsch falsch negativ, ist ein übersehener Fall: Das Modell meldet nichts, obwohl der gesuchte Fall vorliegt. Der Betrug läuft durch, die Krankheit bleibt unentdeckt, die Beschwerde wird als gewöhnliche Anfrage einsortiert.

False Negative (Falsch negativ)

Ein übersehener Fall: Das Modell meldet nicht, obwohl der gesuchte Fall vorliegt.
Beispiel: „Die False Negatives fielen erst auf, als ein Kunde nachfragte, warum niemand reagiert hatte.“

Google definiert es als „An example in which the model mistakenly predicts the negative class.“

Der Unterschied zum Fehlalarm liegt in der Sichtbarkeit. Ein False Positive landet auf einem Schreibtisch und wird bemerkt. Ein übersehener Fall hinterlässt nichts.

In der medizinischen Diagnostik: ein unauffälliger Befund, obwohl die Erkrankung vorliegt.
Beispiel: „Das falsch negative Testergebnis verzögerte die Behandlung um drei Wochen.“

In der Statistik: der Fehler zweiter Art, also das Beibehalten einer unzutreffenden Annahme.
Beispiel: „Ein falsch negatives Ergebnis heißt in der Statistik Fehler zweiter Art und hängt an der Größe der Stichprobe.“

In der IT-Sicherheit: eine Bedrohung, die unerkannt durchgeht.
Beispiel: „Die falsch negativen Fälle im Spamfilter sind die, über die niemand spricht.“

Warum er oft unsichtbar bleibt

Weil niemand nach dem sucht, was nicht gemeldet wurde. In den eigenen Zahlen erscheinen Fehlalarme, weil sie geprüft werden; übersehene Fälle erscheinen nur, wenn jemand sie unabhängig entdeckt. Das verzerrt die Wahrnehmung systematisch: Ein System mit wenigen Fehlalarmen und vielen Übersehenen gilt im Betrieb als gut, bis der erste Schaden auffällt.

Wie man ihn trotzdem misst

Mit einer Stichprobe aus dem, was das Modell durchgelassen hat. Hundert zufällig gezogene Fälle von Hand prüfen und zählen, wie viele davon eigentlich gemeldet gehört hätten. Das ist aufwendig und die einzige verlässliche Auskunft. Ohne diese Stichprobe ist die Trefferquote eine Schätzung.

Wann er der teurere Fehler ist

Bei allem mit Folgen für Menschen und bei allem mit Fristen. Eine übersehene Beschwerde wird zur Bewertung, eine übersehene Kündigungsabsicht zum verlorenen Kunden, eine übersehene Sicherheitsmeldung zum Vorfall. In diesen Fällen stellt man die Schwelle bewusst niedrig und nimmt Fehlalarme in Kauf, solange jemand da ist, der sie prüft. Fehlt diese Person, ist die niedrige Schwelle wertlos: Ein System, das meldet und nicht geprüft wird, hat dieselbe Wirkung wie eines, das nichts meldet. Die Zahl der Meldungen gehört deshalb an die verfügbare Prüfkapazität angepasst und nicht umgekehrt. Diese Rechnung steht am Anfang jedes solchen Vorhabens und wird fast immer vergessen.

Siehe auch:

False Positive

Ein Fehlalarm: Das Modell meldet einen Fall, den es nicht gibt.

#Künstliche Intelligenz (KI)

Confusion Matrix

Eine Tabelle, die Vorhersagen und tatsächliche Werte gegenüberstellt.

#Künstliche Intelligenz (KI)

Präzision und Trefferquote (Machine Learning)

Zwei Maße, die beschreiben, wie treffsicher und wie vollständig ein Modell arbeitet.

#Künstliche Intelligenz (KI)

Genauigkeit (Machine Learning)

Der Anteil der richtigen Einordnungen an allen Einordnungen eines Modells.

#Künstliche Intelligenz (KI)

Evaluation (KI)

Das planmäßige Messen, wie gut ein KI-System eine bestimmte Aufgabe erledigt.

#Künstliche Intelligenz (KI)

Unausgewogene Daten (Machine Learning)

Ein Trainingsbestand, in dem die gesuchte Klasse sehr viel seltener vorkommt als die übrigen.

#Künstliche Intelligenz (KI)